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Ein Rothenburger erforscht die Geschichte des GlasesVon Anja Köhler
Ulrich Werner
betreibt in den eigenen vier Wänden ein Labor. Die Ergebnisse
seiner Tüfteleien sind in Fachmagazinen erschienen.
Wer Ulrich Werner
in der kleinen Eigenheimsiedlung in Rothenburg besucht,
staunt Bauklötzer: Auf den ersten Blick ist alles wie in
einem normalen Wohnhaus. Die Kellerstufen hinabgestiegen, eröffnet
sich jedoch ein wahres Forscherparadies. Mehrere Apparaturen
stehen Seit’ an Seit’, etwa eine Analysenwaage für
Chemikalien zur Entwicklung von Fotos, ein Dichtemessgerät,
das die Schwarzanteile in Filmen misst, oder ein aus dem
Jahr 1975 stammendes Spektrophotometer von Carl Zeiss.
„Damals war das ein Spitzenprodukt“, erklärt der 68-Jährige,
während er am ungarischen Colorimeter die Bestimmung der
Farbanteile eines Glases vorführt. Wozu er das tut? „Es
ist mein Hobby“, sagt der Diplom-Chemiker, der 1992
infolge einer Herzerkrankung invalidisiert wurde. 25 Jahre
zuvor hatte er seine Arbeit im Labor des Uhsmannsdorfer
Flachglaswerkes begonnen. Sein Interesse an Glas ist dennoch
ungebrochen. So hat sich Ulrich Werner mit der Geschichte
von Schweißerschutzglas in den letzten 80 Jahren beschäftigt.
Die Ergebnisse sind auf sieben Seiten in der
Septemberausgabe der Fachzeitschrift „Schweißen und
Schneiden“ erschienen. „Schon Karl Marx hat gesagt, dass
man die Zukunft nur meistern kann, wenn man die
Vergangenheit kennt“, sagt Werner. Ein zweites Thema, dem
er sich widmet, sind sogenannte Tafelgläser für die
Fotografie. In einem Beitrag, der in einer Zeitschrift der
Glasindustrie veröffentlicht werden soll, will der
Rothenburger eine kleine Sammlung dieser fotografischen
Aufnahmeplatten vorstellen. „Den Arbeitsschwerpunkt bilden
historische Nachforschungen zu deren Produktion und zu den
Eigenschaften dieser Rohgläser“, sagt Werner. Notwendige
Messungen nimmt er in seinem Labor vor. Für die Theorie
muss er recherchieren. Bisweilen renne er einer einzigen
Zahl bis zu einem Jahr hinterher. Viel kürzer ist dagegen
der Weg in eine seiner Stammbibliotheken. Denn entsprechende
Bücher und Zeitschriften beschafft sich der Rentner über
die Fernleihe der Bibliothek der Rothenburger
Polizeihochschule. „Wichtig sind aber auch Gespräche“,
sagt Werner. Die führt er gleichermaßen mit Kollegen aus
der Glasindustrie, ehemaligen Mitarbeitern der Fotoindustrie
und mit Mitgliedern vom Weißwasseraner Glasmuseum und vom
Fotomuseum Görlitz.
Manchmal sitze er Tag und Nacht in seinem Labor, erzählt der Rothenburger, als sei das nichts Ungewöhnliches. Dabei zeigt er auf eingerahmte Fotos an der Wand. Die Motive sind jeweils zweifach aufgehängt, aber mit unterschiedlichen Gläsern gerahmt. „Sehen Sie die Farbunterschiede?“ fragt Werner. Beim genauen Hinsehen sind sie tatsächlich zu erkennen. Auch das hat der Hobbyforscher zum Thema gemacht. In einem Langzeittest über mehrere Jahre hat er Farbveränderungen von Farbbildern untersucht, die bisherigen Ergebnisse sind im Dezember in der Zeitschrift „Photo-Antiquaria“ erschienen. „Das ist ein durchaus brisantes Thema, denn wie lange Fotos halten, interessiert kaum jemanden.“ Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 29.12. 2009
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