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Vorsicht,
Glas! Von
Beate Möschl So vorsichtig wie mit zerbrechlichem Glas gehen die Hersteller mit Prognosen zum Krisenjahr 2009 um. Verbindliche Aussagen zu treffen sei derzeit kaum möglich, sagt Johann Nagl, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb der Stölzle Lausitz GmbH in Weißwasser (Landkreis Görlitz). Der Betrieb der österreichischen Stölzle-Oberglas-Gruppe steuert behutsam durch die Wirtschaftskrise, die auch auf dem Kelchglasmarkt Spuren hinterlassen hat. Bewährte Strategie Die Strategie der technologischen Optimierung bis hin zu Alleinstellungsmerkmalen bei Qualität und Menge gezogener Stielgläser sowie die Orientierung auf für das Getränk maßgefertigtes Glas haben sich bewährt, schätzt Nagl ein. Die gehobene Gastronomie und Hotellerie, Fluggesellschaften, Sommeliers und Starköche im In- und Ausland schätzten die Kristallglas-Qualität aus Weißwasser. Umsatzsprünge von deutlich mehr als zehn Prozent pro Jahr seit 2004, schwarze Zahlen und eine eigentlich überbuchte Jahresproduktion 2008 belegen das. 27 Millionen Euro Umsatz standen im vergangenen Jahr zu Buche – doppelt so viel wie vor fünf Jahren. „Die letzten Jahre und speziell 2008 waren Ausnahmejahre. Solche Steigerungsraten sind wohl nicht mehr wiederholbar“, sagt Nagl. Die Weißwasseraner hätten 2008 so viel zu tun gehabt, dass ihre in den vergangenen Jahren bereits von 25 Millionen auf 30 Millionen Gläser pro Jahr erhöhte Produktionsleistung nicht ausreichte. „Wir hatten unsere Lagerbestände ausgebeutet und konnten den einen oder anderen Auftrag nicht ausliefern“, berichtet der Geschäftsführer und betont: „Da auch bei uns der Auftragseingang im Standardgeschäft im Vergleich zum Vorjahr um circa 15 Prozent zurückgegangen ist, erholt sich unser Lagerbestand und wir können dieses Jahr wieder zu der gewohnten schnellen Lieferbereitschaft zurückkehren. Trotz des nach wie vor anhaltenden, veränderten Einkaufsverhaltens der Kunden laufen alle drei Linien mit voller Kapazität.“ Noch keine Trendwende Nagl schreibt das auch der 2004 eingeschlagenen Strategie des Unternehmens zu: „Unsere Stärke ist, dass wir mit unserer Modellpolitik und Qualität Kunden erschlossen haben, die trotz des schwierigen Umfeldes relativ stabil sind und uns dementsprechend einbinden können.“ Dass schon alles überstanden ist, glaube er nicht. „Ich sehe noch nicht die Wende auf dem Markt“, sagt Nagl und bleibt vorsichtig. Die geplante Kapazitätserweiterung, verbunden mit einer neuen Schmelzwanne und einer zusätzlichen Fertigungslinie sei zunächst zurückgestellt worden. „Solange das weltweit vorherrschende schwierigere Wirtschaftsklima sich nicht deutlich verbessert, ist so eine extrem große Investition zu riskant“, erklärt er. Wichtig sei jetzt, die vorhandene Technik weiter zu optimieren. „Das tun wir bereits, um noch mehr Produktivität zu erzielen und dem Preisniveau mehr Folge leisten zu können, das sich mit der Krise in bestimmten Großbereichen des Glasmarktes etabliert hat.“ „Diese Maßnahmen, in
Verbindung mit einer weiter soliden Marken- und Kundenphilosophie, dürften
uns sicher über diese Krise hinweghelfen“, sagt Nagl, der nach
eigener Aussage in den gut 30 Jahren seiner beruflichen Laufbahn in der
Glasbranche „noch nie eine Krise in einem derartigen Ausmaß erlebt“
hat. Jeder müsse jetzt seinen eigenen Weg finden. „Nur die Besten
werden überleben.“ Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser vom 29.08.2009
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