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„Weihnachtsland Lauscha“ Festvortrag anlässlich der Eröffnung der Sonderausstellung im Glasmuseum
von Hans Schaefer
Eigentlich sollten wir beim Betreten dieser beiden Räume die Schuhe ausziehen: Von alters waren sie geheiligt durch ihre besondere Zweckbestimmung als Weihnachtssaal der Gelsdorf-Familie und ihrer Hausangestellten. Dies erfuhr, zusammen mit vielen Einzelheiten, meine Frau in einem Gespräch mit einer älteren Dame, die als junges Mädchen bei Gelsdorfs in dieser Villa Dienst getan hatte. Es war Frau Ganick, die sich besonders um die Kinder gekümmert hat. Leider ist es beim Familientreff der Gelsdorfs nicht zum Wiedersehen gekommen und inzwischen verstarb die Frau. Der Förderverein des Glasmuseums hält diesen Platz für besonders prädestiniert für eine Sonderausstellung von Gläsern aus dem Weihnachtsland Lauscha. Lauscha ist die Geburtsstätte des gläsernen Christbaumschmuckes. Das Geburtsdatum liegt inzwischen 150 Jahre zurück. Im Christbaumschmuck begegnen sich die beiden technologisch-handwerklichen Polaritäten Glasmacher / Glasbläser besonders deutlich erkennbar: Der Glasmacher vollzieht die Formgebung der Erzeugnisse aus dem ersten Feuer, also im Anschluss an die Schmelze. Im Allgemeinen sind diese Produkte Fertigprodukte; es können aber auch Halbfabrikate, wie z. B. Rohre und Stäbe sein. Der Glasbläser arbeitet aus dem zweiten Feuer, indem er die Halbfabrikate erwärmt, um dieselben in die gewünschte Form zu bringen. Der dazu benutzte Gebläsebrenner hat Ähnlichkeit mit einer Schweißerflamme. Einst erfolgten diese Prozesse rein handwerklich, heute gewinnt die mechanische Fertigung zunehmend an Boden. Die Halbfabrikate werden aus Kostengründen aus Billig-Lohn-Gebieten importiert: Rohre aus China und Indonesien, Farbglasstäbe aus Italien und Mexiko. Daß sich die Branche überhaupt wieder festigen konnte nach der politischen Wende, ist zunächst der geradezu unverwüstlichen Bodenständigkeit der Thüringer und ihrem Kinderreichtum („Septimius Greiner“ – der Siebente Greiner) zu verdanken. In Verbindung mit dem früheren Trend, sich möglichst innerhalb des heimatlichen Tales zu verheiraten, entstanden Großfamilien, die dafür sorgten, dass sich derselbe Familienname dutzendfach im Dorf wiederholte und selbst im Ausweis zusätzlich zum Stamm-Namen ein Zusatz- oder Spitzname eingetragen wurde. So finden wir bei „Greiner“ Greiner-Petter Greiner-Mauschel Greiner-Habakuk Greiner-Sixer Greiner-(Altes Vetterle) oder bei „Müller“ Müller-Bauer Müller-Uri Müller-Schmoß. Dazu viele „Kühnert“ und „Juchheim“. Der aufmerksame Völkische Beobachter gewahrt außerdem, dass einzelne Täler regelrechte Sprachinseln darstellen: Ein „breites Brett“ heißt hier „a breets Braat“ und dort „a braats Breet“. Eine „Hexe“ heißt in Stützerbach „s’ Hettl“, in Piesau „a Hex“ und in Schönbrunn „a Hax“. Des Weiteren ist die schöpferische Fantasie in Verbindung mit einem hohen handwerklichen Geschick zu nennen. Immer wieder erregen neue Erzeugnisse auf den Märkten Aufsehen und stacheln die Kauflust an. Die Chronik berichtet, daß um 1880 F. W. Woolworth in Lauscha als Großkunde auftritt, um seine Kunden im US-Staat Pennsylvannia zu bedienen. Auch die DDR sah einst im Christbaumschmuck, der in der DDR „Baumschmuck“ hieß, einen erstklassigen Devisenbringer, was zur Folge hatte, daß der Christbaumschmuck im Laden zur Bückware mutierte. Während dem war die Produktion an staatlich autorisierten Stellen abzuliefern, von dem aus westliche Exportmärkte bedient wurden. Und dann bleibt noch zu klären: Wie kommt denn der Schmuck auf den Christbaum…? Weihnachten, das ist die Zeit nicht nur des guten Essens und Trinkens und des Schenkens, sondern auch die des Erzählens und Fabulierens. So denkt die Sage an einen sehr armen Glasbläser, der es sich nicht leisten konnte, einen Christbaum für die Kinder mit echten Äpfeln und Nüssen zu schmücken und deshalb auf die Idee kam, diese begehrten Stücke aus Glas nachzuschaffen und farbig zu bemalen. Und dann ist auch noch das Streben der Gattung Mensch, eigene, kurzlebige Produkte an langlebige Dinge anzuheften und ihnen so einen Hauch von Ewigkeit mitzugeben. Auf alle Fälle behält das Lied recht: „Der Christbaum ist der schönste Baum, den wir auf Erden kennen“. Quelle: Glasmuseum Weißwasser, 28.11.2008
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