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Lutz Stucka: „Ich verschweige Joseph Schweig keineswegs” VON LUTZ STUCKA
Lutz
Stucka reagiert in den folgenden Zeilen auf die Kritik von Werner
Schubert und Jochim Exner an seinen Beiträgen (RUNDSCHAU vom 21.
Januar).
Noch
vor einigen Jahren gab es kaum Rückmeldungen von den Lesern der LR zu
den Geschichtsartikeln über Weißwasser. Das ist jetzt
erfreulicherweise anders geworden. Nur so kann Heimatgeschichte
erlebbar und interessant gemacht werden. Vielen Dank!
Nun kann ich natürlich nicht die Kritik an den vermeintlich von mir gemachten Fehlern stehen lassen, denn ich glaube, keine gemacht zu haben. Ich habe schon mehrfach Herrn Schubert mitgeteilt, dass ich J. Schweig keineswegs verschweige. Wenn Herr Schubert alle von mir veröffentlichten Artikel gelesen hätte, wäre ihm aufgefallen, dass ich mehr als zwanzig Mal über die Schweigs und ihr Tun in Weißwasser umfangreiche Abhandlungen veröffentlicht habe. Auch zur DDR-Zeit habe ich von J. Schweig berichtet. Da kann man doch nicht sagen, dass ich J. Schweig verschweige, wenn man es nicht weiß. Ich hatte seinerzeit mit dem Initiator der „Lebensbilder, Persönlichkeiten des Oberlausitzer Lebens“ (erschienen über Landratsamt NOL 1995) H. P. Smers, der leider schon verstorben ist, eine harte Auseinandersetzung. Er wollte nicht, dass Joseph Schweig in dieses Büchlein aufgenommen wird, weil seine Bedeutung nicht so hoch war, wie die der darin aufgeführten Persönlichkeiten. Als ich ihm androhte, die Freundschaft zu kündigen, hat er es schließlich kurz vor dem Druck doch noch getan. Über 70 Biografien von besonders beachtenswerten einstigen Weißwasseranern habe ich in der LR veröffentlichen können, allein über Schweig waren es sogar drei Teile. Dabei habe ich mich nur auf sein Leben und Wirken in Weißwasser beschränkt, so wie ich es in den anderen Biografien auch tat. Ich habe das bewusst gemacht, denn es ist ein Teil der Chronik der Stadt Weißwasser und kein allgemeines Geschichtsbuch oder eine politische Abhandlung. Mir das zur Last zu legen, um mich unglaubwürdig zu machen, warum? Natürlich sind meine Jubiläenaufzeichnungen in der LR nicht vollständig, das würde den Rahmen sprengen, und es kommen im Laufe der Geschichtsforschung weitere dazu, wie eben erst über Dr. Wegner, erster Arzt in Weißwasser. Es könnten viele Leute feststellen, dass ich etwas vergessen hätte, aber nicht aus Methode des bewussten Verschweigens, sondern meist aus Platzgründen. Daraus kann man mir doch keinen Strick drehen und mir sogar eine antisemitische Gesinnung vorwerfen. Ich finde, dass ist eine oberdreiste Verleumdung. Untermauert wurde dieser Vorwurf auf Grund meiner Veröffentlichungen über die Ereignisse in und um Weißwasser während des Zweiten Weltkrieges im Frühjahr 1945. Hier habe ich nicht nur die heroischen Taten der Roten Armee dargestellt, sondern auch die kaum bekannten Handlungen des Gegners. Das führte bei einer Person zu bedenklichen Schlussfolgerungen. Hingegen wurde bewusst verschwiegen, als kürzlich Mitglieder der Familie Schweig in Weißwasser weilten und im Programmablauf vorgesehen war, die Grabrede für Joseph Schweig von Heinrich Küllmann im Rathaus den seltenen Besuchern vorzutragen. Als dieser Plan glücklicherweise in der Presse veröffentlicht wurde, habe ich dem Oberbürgermeister zu bedenken gegeben, dass es äußerst unpassend wäre und nachhaltige Folgen haben könnte, wenn man das täte. Allgemein bekannt, aber eben nicht jedem, ist, dass Küllmann als Rektor der Gemeindeschule I in Alt-Weißwasser überzeugtes Mitglied der NSDAP war. Undenkbar peinlich, wenn das während des Auftritts der Mitglieder des Vereins „Zukunft gestalten – ohne zu vergessen“ in den Räumen des OB bekannt geworden wäre. Wenn ich J. Schweig würde verschweigen wollen, antisemitisch und noch mehr wäre, hätte ich das wohl nicht getan. Nun werden die beiden Herren Schubert und Exner nicht glauben, dass ich Schweigs Geburtstag bewusst außen vor gelassen habe, denn ich habe, wenn man es gelesen hätte, in meinen früheren Jubiläumsaufzeichnungen auch keine besonderen Geburtstage anderer berühmter Weißwasseraner angeführt. Um die Geschichte nicht zu beugen, muss man wissen, dass es außer Joseph Schweig auch noch andere berühmte Persönlichkeiten in der Stadt gab. Die Geschichtsschreibung muss sich mit allen Geschehnissen befassen, ob gut oder schlecht, und da kann es kein Lieblingsthema geben. Ich versuche nur, Heimatgeschichte interessant und erlebbar zu machen, und da habe ich mir eine Schreibweise zugelegt, die es für jeden leicht verständlich und vielleicht auch etwas spannend macht. Detaillierte Quellenangaben gehören in Fachzeitschriften und Bücher, da ist genügend Platz. Wer es genauer wissen will, der möge sich mit mir in Verbindung setzen, ich werde helfen. Quelle: Lausitzer
Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 28.01.2010
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