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"Ihre Gläser werden bleiben"
Würdigung von Manfred Schäfer. Dem bekannten Glasgestalter ist eine Sonderausstellung im Glasmuseum Weißwasser gewidmet. Am Freitag wurde sie eröffnet.

Von
Ingolf Tschätzsch
 


Frucht-, Konfekt- und Eisschalen in einer der Vitrinen – die Serie Wien, hergestellt einst für Ankerglas Bernsdorf. Man sieht es diesen Glaserzeugnissen nicht an, dass sie vor 60 Jahren entstanden sind. Sie strahlen eine zeitlose Schönheit aus. "Diese Schalen halten jeden Vergleich mit skandinavischem, italienischem oder französischem Design stand", erklärt Siegfried Kohlschmidt, der sich mit der Kulturgeschichte des Lausitzer Glases von seinen Anfängen bis zur Gegenwart beschäftigt. Geschaffen hat sie ein Weißwasseraner, dem damals 1957 als erst Zwanzigjährigen ein ganz großer Wurf gelungen sei, so Kohlschmidt weiter. Dieser Mann sitzt an diesem Freitagabend im bis auf den letzten Platz besetzten Glasmuseum der Großen Kreisstadt in der ersten Reihe. Die Rede ist von Manfred Schäfer. Ihm, dem begnadeten Glas-Techniker, Glas-Gestalter, Glas-Sammler und Glas-Chronist, wie es im Ankündigungstext heißt, ist diese Veranstaltung gewidmet – die Eröffnung dieser Sonderausstellung anlässlich seines 80. Geburtstages, den er zwei Tage zuvor beging.

Neben Gästen wie OB Torsten Pötzsch (Klartext) sind viele ehemalige berufliche Weggefährten des Jubilars gekommen, um ihn und sein Lebenswerk zu würdigen: Schleifer und Graveur Heinz Schade, Holzformmacher Willi Paulick, Ernst Kuschel, Leiter der Malerei, Horst Gramß, sein früherer Mitarbeiter, der großen Anteil am Zustandekommen der Ausstellung hat. Manfred Schäfer dankt in bewegten Worten "für diese große Achtung vor meiner Arbeitsleistung", wie er sagt. Ihm fällt das Reden schwer. Wegen seiner angegriffenen Gesundheit lässt er seine Tochter eine von ihm verfasste Rede verlesen. Das Bild eines Menschen wird sichtbar, der mit Leib und Seele in seinem Beruf aufging, der ein gehöriges Stück Geschichte der Weißwasseraner Glasindustrie geschrieben hat.

So war Schäfer federführend an der Entwicklung aller Stielglaslinien bis etwa 1981 beteiligt. Gerade seine früheren Gläser und auch sein letzter Entwurf – die bekannte Kelchserie Karat – hätten einen bleibenden Platz in der deutschen Kulturgeschichte erhalten, lobt Siegfried Kohlschmidt in höchsten Tönen. Mehrere Auszeichnungen auf der Leipziger Messe in den 1970-er Jahren, so beispielsweise Goldmedaillen für "Diadem" und "Diamant" und schließlich für "Karat", sind der Lohn für dieses unermüdliche Schaffen. Die Werkstatt für Glasgestaltung in Weißwasser, die Schäfer mit 18 Jahren übernahm, sei zwei Jahrzehnte das kreative Zentrum für die gesamte Formgestaltung in der Glasindustrie der DDR gewesen, wie es hieß. Dabei kam der heute 80-Jährige, als er 1955 in Weißwasser anfing, aus einem artfremden Beruf. Er war gelernter Keramiker.

Wie schwer all diese Erfolge in der DDR erkämpft werden mussten, verschweigt der bekannte Glasgestalter nicht. "Unter oft extremsten Bedingungen wie Embargo des Westens, Mangelerscheinungen bei Materialien, Importbeschränkungen, verfehlte Wirtschaftspolitik ist viel, sehr viel erreicht worden, dank auch durch unsere Glasarbeiter", bricht er eine Lanze für die früher in diesem traditionsreichen Industriezweig in Weißwasser Beschäftigten.
"Ihre Gläser werden bleiben"

Über 35 Jahre fand Manfred Schäfer in der Glasindustrie seine Lebensaufgabe. Mit Bitterkeit erinnert er sich an das Ende. Zuletzt war er vom 1. Mai 1991 bis zum Ausscheiden aus dem Betrieb am 30. April 1992 Betriebsleiter in den Lausitzer Glaswerken. In dieser Zeit musste er die schwerste Entscheidung in seinem Arbeitsleben treffen, wie er in seiner Autobiografie rückblickend feststellt. "Es war ein Drama für fast 200 Mitarbeiter der damaligen Oberlausitzer Glaswerke, als ich ihnen die Kündigung in einer Betriebsversammlung aussprechen musste", beschreibt er diese Situation.

An den Jubilar gewandt, kann ihm Siegfried Kohlschmidt im Namen der Anwesenden kein schöneres Kompliment machen, als er sagt: "Die Glaswerke sind verschwunden oder in fremder Hand, aber ihre Gläser, lieber Manfred Schäfer, werden bleiben." Dann wird es aber endlich Zeit, die Exponate in den Vitrinen in Augenschein zu nehmen.


Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 27.03.2017


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Aktualisierung:
27.03.2017


 

Viele Besucher drängten sich an den Vitrinen mit den Exponaten. Auch ehemalige Glasarbeiter wie Ernst Kuschel (mit Blumenstrauß) waren gekommen. Er hatte am Freitag Geburtstag. Manfred Schäfer (hinten sitzend) freute sich über die große Resonanz seiner Ausstellung.
Foto: I. Tschätsch