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Weißwassers Industriekultur zum Leben erwecken
Schüler sind aufgerufen, die Geschichte der Glasindustrie zu beleuchten. Ende 2018 soll ein Stadt-Rundgang stehen.

Von Christian Köhler


 
Fragt man in Weißwasser Schüler oder Einwohner, wissen einige nicht, dass Weißwasser einst der weltgrößte Glasproduzent war. Bereits 1873 begann mit der ersten Glasschmelze in der Gelsdorfhütte an der Forster Straße die einzigartige Entwicklung des kleinen Heidedorfes Weißwasser im Muskauer Faltenbogen zur Industriestadt. Innerhalb weniger Jahrzehnte entstanden insgesamt elf Glashütten und zahlreiche Zulieferbetriebe sowie viele Einzelhandelsgeschäfte, die die wachsende Bevölkerung versorgten. Bis 1989 war die Einwohnerzahl von Weißwasser auf fast 40 000 gestiegen – heute leben 16 800 Menschen hier. Und Glas wird schon lange nicht mehr in dieser Größenordnung in Weißwasser hergestellt.

„Die Spuren dieser Geschichte sind heute kaum noch sichtbar oder befinden sich im Verschwinden“, sagt Christine Lehmann vom Förderverein Glasmuseum in Weißwasser. Deshalb hat sich der Verein mit dem Unesco Global Geopark Muskauer Faltenbogen zusammengetan und ein Projekt ins Leben gerufen. „Uncover – Glasindustriegeschichte entdecken“ heißt es und soll einerseits die Geschichte der Stadt erlebbar machen und andererseits auch zeigen, wo einst die Rohstoffe herkamen, die Weißwasser so attraktiv für diesen Industriezweig gemacht haben. „Das ist unser Part“, sagt Geopark-Chefin Nancy Sauer.

Das Vorhaben hat die Kulturstiftung des Freistaates ausgewählt und zur Hälfte gefördert. „Auch mehrere lokale Unternehmen unterstützen die Idee, die Geschichte wieder erlebbar zu machen“, erzählt Christine Lehmann. Die Verantwortlichen der beiden Fördervereine hoffen noch auf weitere Unterstützer.

Das Projekt konkret soll aber von Jugendlichen umgesetzt werden. Es können sich Schüler von der achten bis zur zehnten Klasse beim Glasmuseum melden. Vier Gymnasiasten sind bereits mit an Bord. „Die Idee ist, dass sich die Schüler ausgewählte Objekte, wie etwa die Gelsdorfhütte, die Einheit oder den Neufert-Bau, herauspicken und dann auf Spurensuche gehen“, erklärt Christine Lehmann. Die Geschichte von insgesamt zehn Gebäuden oder einstigen Rohstoffquellen in der Stadt soll schlussendlich so zusammengetragen werden. „Es geht auch darum, die Geschichte in der Sprache der Jugendlichen wiederzugeben, Videos zu drehen und wissenschaftlich zu arbeiten“, sagt Nancy Sauer. In einem zweiten Schritt soll daraus ein Rundgang entstehen, der in einer Stunde zu erlaufen ist. Ausgangspunkt soll der Bahnhof sein, von dem aus sich dann die Glasgeschichte von Einheimischen oder Besuchern erkunden lässt.

„Wir wollen deshalb mit Studenten der TU Dresden zusammenarbeiten“, erklärt Nancy Sauer. Bislang gibt es jedoch noch kein grünes Licht von der Hochschule, weshalb auch andere Kooperationspartner wie etwa das Förderwerk für Rundfunk und neue Medien in Bautzen im Gespräch sind, die von den Schülern gesammelten Materialien aufzuarbeiten. „Der Rundgang könnte so auch mit einem Smartphone oder Tablet funktionieren“, ist Christine Lehmann überzeugt. Stehen Besucher etwa vor einer ehemaligen Glashütte, könnten sie sich sämtliche Informationen und Animationen auf ihr Handy ziehen.

Die Route soll außerdem, da sind sich beide Frauen sicher, zum Nachdenken anregen. Schließlich ist die Glasindustrie in Weißwasser nicht mehr die, die sie einst war. „Vielleicht ergeben sich Ideen, wie es für die Stadt und ihre Industrie weitergehen kann“, blickt Christine Lehmann voraus. Schließlich gehe es auch darum, den Heranwachsenden die Geschichte der Stadt, in der sie leben, zu zeigen und zu hinterfragen, wie es weitergehen kann.

Wer Interesse hat, am Projekt mitzuwirken, der kann sich noch bis Ende Januar beim Glasmuseum Weißwasser unter Tel. 03576 204000 oder per E-Mail unter info@glasmuseum-weisswasser.de melden.
 

Quelle: Sächsische Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 27.01.2018


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail:
info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 30.01.2018


 

Der Neufert-Bau in Weißwasser ist ein ehemaliges Lager der Glasindustrie.
Foto: Chr. Köhler