Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
G
lasmuseum Weißwasser !

Museum

Service

Lausitz-Festival:
Eintauchen in Licht und Klang in Weißwasser
Die Videoinstallation Zwischenwelten sorgt zur Eröffnung des Lausitz-Festivals auf Weißwassers Telux-Gelände für Gänsehautmomente. Dabei wird Glasgeschichte modern erzählt.

Von REGINA WEIß


Heinz Hauschke und Horst Gramß wollen ihren Augen nicht so recht trauen. Das sollen sie dort sein, die übermenschlich groß auf den Mauern der Telux-Hallen in Weißwasser erscheinen? Zusammen bringen es die Herren auf über 70 Jahre Glasindustrie. Ganze Bücher könnten sie mit ihren Geschichten füllen. Heinz Hauschke war Kelchglasmacher in der Bärenhütte.
„Millionen haben ich gemacht“, sagt er und meint damit die Anzahl der Produkte. Die meisten davon gingen ins nichtsozialistische Ausland, wie zu DDR-Zeiten alles westwärts der Mauer hieß. Horst Gramß hat sich als Glasentwickler in den Oberlausitzer Glaswerken (OLG) einen Namen gemacht. Zusammen haben sie den Palast der Republik in Berlin ausgestattet und wurden dafür hoch geehrte.

Eine besondere Rolle für zwei Glasmacher

Nun wird ihnen zur Eröffnung des Lausitz-Festivals 2020 am Freitagabend auch eine besondere Ehre zuteil. Der 81-jährige Heinz Hauschke und der 83-jährige Horst Gramß stehen sinnbildlich für die Glasgeschichte einer ganzen Stadt. Weitere Groß-Porträts zeigen die Leiterin des Glasmuseums Christine Lehmann und Ulrich Teichert, vormals Maschinenglasmacher in der Telux. Diese und damit die Glasfertigung wird an dem Abend noch eine besondere Rolle spielen.
Als sich das letzte Tageslicht im Dunkel aufgelöst hat, wird es richtig bombastisch. Gustav Mahlers 5. Sinfonie erklingt gewaltig und traurig zugleich. Zeitgleich bewegen sich auf drei Hausfronten Bilder eines Films. Es braucht einen Moment, bis man erkennt, was dort zu sehen ist: Produktabläufe aus der Glasindustrie. Teilweise zeitlupenartig kann man den Menschen bei ihrer Arbeit zusehen. Es mutet futuristisch an, was dort passiert und nicht nach Tradition. Wo hat man so etwas schon mal gesehen? Bei „Star Wars“ im Kino oder beim Stummfilm „Metropolis“ im Fernsehen? Details zeigen sich überdimensional, Lichteffekte tun ihr Übriges. Auf den Hausfronten erscheint nichts eben. Nicht von ungefähr ist „Zwischenwelten“ der Name der Videoinstallation von Regisseur Aron Kitzig.

Gelungene Premiere in Telux-Hallen

„Ich bin begeistert und das sage ich nicht etwa, weil ich hier mitgemacht habe. Spannend fand ich, dass der Film diese Urgewalt zeigt“, so Ulrich Teichert. Schade findet er nur, dass viele Weißwasseraner den kunstvollen Auftakt verpasst haben. „Ich finde bei der Werbung gibt es Nachholbedarf. Die Leute haben, glaube ich, nicht wirklich gewusst, was heute Abend hier passieren soll.“
Wer da ist, stimmt ins Lob mit ein. So auch Antonia Jahnke. Sonst als Kromlauer Blütenkönigin bekannt, hat sie im Film mitgespielt. „Wir hatten schon beim Drehen Gänsehautmomente und heute wieder. Ich finde es toll, dass in Weißwasser diese Art von Kunst möglich ist“, sagt die junge Frau. Glasgeschichte wird modern erzählt.
Für Kerstin und Olaf Klein sowie Steffen Müller sind nach dieser Premiere die Möglichkeiten der Telux als Ort für moderne Kunst noch lange nicht ausgereizt. Sie finden diese Premiere total gelungen, nachdem sie aus den Klängen, Bildern und Farben wieder „aufgetaucht“ sind.

Lausitz-Festival geht in die Geschichte ein

Damit scheint im Kleinen das aufzugehen, was sich Daniel Kühnel, künstlerischer Leiter des Lausitz-Festivals, bei der Eröffnung gewünscht hatte: Die Menschen sollen sich darauf einlassen. Dass Weißwasser als Auftakt gewählt worden ist, sei kein Zufall gewesen. Schließlich steht die Stadt als Sinnbild für die Lausitz und auch das viel gesagte Wort vom Strukturwandel. Dabei möchte Daniel Kühnel dafür lieber den Begriff der Metamophose verwenden. „Stirb und werde ist eine Notwendigkeit des Seins“, so Kühnel.
Für diese Umgestaltung brauche es neue Ideen, neue Projekte, neue Wege. „Diese haben es manchmal schwer“, weiß Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext).
Um so besser sei es, wenn sich Menschen vor Ort dafür mit einbringen. Er denkt, dass das Lausitz-Festival in die Geschichte eingehe, weil es auch auf dem Lande möglich sei, spannende Projekte umzusetzen.

Weißwasseraner zeigen Gastfreundschaft

Und genau das ist in Weißwasser passiert. Regisseur Aron Kitzig und Produktionsleiterin Leonora Scheib sind von der Gastfreundschaft und Offenheit in Weißwasser überwältigt. Die Menschen hätten sich eingelassen und Türen geöffnet.
Nicht zuletzt konkret in die Hallen der ehemaligen Glasproduktion. Rund 70 Helfer haben zum Erfolg beigetragen. „Vor Euch ziehe ich den Hut“, wird der Regisseur am Ende des Abends sagen.

Lausitz-Festival in Bad Muskau:

1. Oktober, 19.30 Uhr: Mischa, Lily und Sascha Maisky im Konzert in der Orangerie in Bad Muskau.
9. Oktober, 17 Uhr: „Dendrologische Poesie. Bäume als literarische Ressource bei Fontane, Pückler und anderen“, Vortrag im Festsaal des Neuen Schlosses.
11. Oktober, 19.30 Uhr: Jazz mit Bill Laurance im Festsaal des Neuen Schlosses.
12. Oktober, 19.30 Uhr: Piotr Anderszewski spielt Johann Sebastian Bach in der Orangerie im Muskauer Park.
14. Oktober, 19.30 Uhr: Liederabend mit Rolando Villazón und Xavier de Maistre in der Orangerie im Muskauer Park.

Tickets unter www.lausitz-festival.eu

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 26.09.2020


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail:
info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung:
29.09.2020


Die Glasproduktion wird auf den Wänden der Telux wieder zum Leben erweckt.
Glasdesigner Horst Gramß zeigt sich auf der Telux-Wand.
Regisseur Aron Kitzig zeigt sich von der Gastfreundschaft und Offenheit von Weißwasser ganz begeistert.
Installation von Horst Gramß auf der Telux-Wand
Wenn Details rießengroß werden. Die Videoinstallation läuft.
Die Glasproduktion wird auf den Wänden der Telux wieder zum Leben erweckt.
 
Menschen werden im Produktionsablauf zu Schattenfiguren
Paul Frick und Leonard Gimpel haben sich mit Live Elektronik und Klanginstallation beim Festival eingebracht.
Daniel Kühnel, künstlerischer Leiter des Lausitz-Festivals, freut sich, nach drei Jahren Vorbereitungszeit, endlich den Start zu geben. Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext), Kulturministerin Barbara Klepsch und Regisseur Aron Kitzig (v.l.n.r.) sind auch froh darüber.
Blick in den Raum, wo am Freitagabend alle Fäden zusammengelaufen sind: Matthias Pollmann (vorn) und Roland Strutz haben die Technik für Ton und Video im Blick.
© Fotos: J. Rehle