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Telux-Werk:
Kommen Röhrchen für Corona-Impfstoff bald aus Weißwasser?
Das Neuwerk der Telux soll reaktiviert werden. Die Ullmannglass GmbH aus Bayern will dafür einen Investor nach Weißwasser holen. Firmen haben ihr Interesse bekundet.

Von Regina Weiß


Weltweit wird derzeit an einem Impfstoff geforscht, der in der Covid-19-Pandemie zum Einsatz kommen soll. Klar ist jetzt schon, dass das Serum in kleinen Verpackungen abgefüllt werden muss, um letztlich in den Krankenhäusern und Praxen weltweit verabreicht werden zu können.
Ausgerechnet wurde, dass dafür rund 20 Milliarden Glasampullen gebraucht werden. „Und der Weltmarkt für Glas im Pharmabereich ist jetzt schon zu klein“, sagt Norbert Ullmann. Er bringt deshalb Weißwasser ins Gespräch.

Familie ist Jahrhunderte im Glasgeschäft

Norbert Ullmann ist gemeinsam mit seinem Sohn Philipp Ullmann von Bayern nach Weißwasser gereist. Nicht zum ersten Mal sind die Experten vor Ort. Ihre Familie ist seit mehr als 400 Jahren, genau seit 1635, im Glasgeschäft tätig. Was einst in Böhmen anfing, führte über Argentinien ins bayerische Osterhofen.
„Wir sind selbst in der Glasindustrie tätig, sowohl im Geschenkartikel- als auch im technischen Bereich. Außerdem arbeiten wir als Einkaufsbüro für ausländische Firmen“, erzählt Norbert Ullmann. Dritter Schwerpunkt ist ihre Beratertätigkeit für die Industrie. Dabei geht es um die Schwerpunkte Sanierung und Verkauf von Glasfabriken. „Wir haben 40 Projekte in 13 Ländern auf drei Kontinenten abgeschlossen“, so Norbert Ullmann weiter.

Werk wäre schnell zu reaktivieren

Eines der nächsten Projekte, das hoffentlich erfolgreich umgesetzt werden kann, ist das Neuwerk der Telux GmbH. Im Zuge der Finanzkrise musste dort 2008 die Produktion von Rohrglas eingestellt werden. Doch der Produktionsbereich wäre im Vergleich zu Neubauten auf der grünen Wiese, wie sie zum Beispiel derzeit in Indien oder China starten, relativ schnell wieder reaktivierbar. Hans-Eckhard Rudoba, Stadtrat der Linken in Weißwasser und Geschäftsführer der Rudoba GmbH Bad Muskau, hatte den Kontakt hergestellt.
Seine Intension ist es, bei der Wirtschaftspolitik zweigleisig zu fahren: Es geht um kurzfristig umsetzbare Projekte und langfristige Strategien. „Wir können nicht auf Fördermittel warten oder darauf, dass die Kohle zu Ende ist. Wir brauchen produzierendes Gewerbe, um Geld in die Kasse zu bringen, den Einwohnerrückgang zu stoppen“, erklärt er. Neues Leben in alten Industrieanlagen – dafür biete die Telux genau die richtigen Bedingungen. In dem Fall das Neuwerk.

Ein Rückschlag bei der Förderung


Rudoba und auch Ullmann schauen in diesem Fall optimistisch in die Zukunft, wobei sie erst mal einen Rückschlag einstecken mussten. Um das Neuwerk den Investoren präsentieren zu können, braucht es eine Studie. Sie wird in Weißwasser in der Geschichte, konkret in der Glasgeschichte der Stadt, beginnen. Von der Tradition geht es in die Gegenwart. Also was ist im Neuwerk noch für die Produktion vorhanden, um von dort in die Zukunft zu „wandern“. Oder anders gesagt, welche Investitionen sind erforderlich.
Dazu gehört auf alle Fälle die Glaswanne. In sechs bis neun Monaten dürfte sich die aufbauen lassen. Die Studie selbst wird rund acht Wochen dauern. Sie wird nicht nur in zehn Sprachen übersetzt, sondern muss vor allem belastbare Fakten enthalten. Rund 400 000  Euro wird sie kosten.
Norbert Ullmann und Hans-Eckhard Rudoba hatten die Hoffnung, dass der Freistaat Sachsen dabei eine Unterstützung gewähren würde. Doch die Wirtschaftsförderung Sachsen habe nach einem Gespräch in Weißwasser eine Absage erteilt. „Wir passen scheinbar in keine Schublade“, so Rudoba.

Firma aus Bayern übernimmt das Finanz-Risiko

Damit soll das Projekt aber keineswegs gestorben sein. Es wird nun privat investiert. „Wir tragen das Risiko“, so Norbert Ullmann. Auch das in der Hoffnung, dass bereits mit fünf Firmen sogenannte „Letter of intent“ (Absichtserklärung) unterzeichnet worden sind. Elf weitere Produzenten haben Interesse angemeldet.
„Ich höre dennoch einige Skeptiker. Es sind keine Glücksritter. Sie setzen nicht nur eigenes Geld ein. Es gibt auch eine offene und ehrliche Zusammenarbeit“, so Rudoba mit Blick auf die Partner aus Bayern. Geht es nach Norbert Ullmann, dann soll bereits bis Jahresende feststehen, wer das Neuwerk in eine neue (Glas-)Zeit führt.

Vermietung der Telux läuft gut

Andreas Nelte, der Geschäftsführer der Telux GmbH, versucht seit Jahren, Alt- und Neuwerk kostendeckend auszulasten. Beim Altwerk hat sich allerhand bewegt. „In gut zweit Monaten sind wir soweit, dass wir zwei Drittel des Altwerkes mit Leben erfüllt haben“, sagt er der Rundschau. Beim Rohrglas gibt es neben dem medizinischen Markt einen weiteren wachsenden Sektor. Laut Hans-Eckhard Rudoba sei das der Kosmetikbereich. Dort wird umgeschwenkt, weg von der Plastik hin zum diffusionssicheren Glas.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 25.08.2020


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Aktualisierung:
26.08.2020


Philipp Ullmann, Andreas Nelte, Norbert Ullmann und Hans-Eckard Rudoba (v.l.n.r.) mit Rohrglas aus der Produktion der Telux GmbH. Dieses wurde bis 2008 in Weißwasser gefertigt.
© Foto: R. Weiß