Am Freitag wird um 18 Uhr die Sonderausstellung zum 110. Geburtstag von Wilhelm Wagenfeld in Anwesenheit seiner Tochter, Meike Noll-Wagenfeld, im Glasmuseum Weißwasser eröffnet. Hierzu sind alle Interessenten recht herzlich eingeladen.
Professor Wilhelm Wagenfeld wäre in diesem Jahr 110 Jahre alt geworden.
Die gezeigten Exponate sind typisch für das kreative Schaffen von Wagenfeld in den Vereinigten Lausitzer Glaswerken (VLG; heute: Stölzle Lausitz GmbH). Sie spiegeln auch das hervorragende handwerkliche Können der Weißwasseraner Glasmacher und –veredler wider, mit dem die anspruchsvollen Ideen Wagenfelds umgesetzt wurden.
Wilhelm Wagenfeld mit seiner gediegenen kunstgewerblichen Ausbildung war in der Künstlerkolonie Worpswede und am Bauhaus in Weimar tätig. 1935 holte ihn der Aufsichtsratsvorsitzende der VLG, Dr. Karl Mey, als künstlerischen Leiter nach Weißwasser, um das damals rund 60 000 Einzelartikel umfassende Produktionssortiment zu verbessern. Wagenfeld gelang es, die besten Facharbeiter von seinen Ideen zu begeistern.
Mit ihnen schuf er neben dem vorhandenen, nur schwer beeinflussbaren Sortiment die ästhetisch und technisch hochwertige Rautenglas-Linie, die sich durch Schönheit und Zweckmäßigkeit gleichermaßen auszeichnete. Sie wurde teilweise noch bis in die 60er-Jahre des 20. Jahrhunderts gefertigt.
„Auch das allereinfachste Glas kann schön sein“, ließ Wagenfeld in einer Anzeige für Rauten-Pressglas verkünden und vertrat die Auffassung, dass Glas so schön sein sollte, dass der Reichste sich wünscht, es zu besitzen, und der Ärmste es sich leisten kann, erinnert das Glasmuseum
Der durch Wagenfeld erreichte Qualitätssprung stabilisierte nicht nur die ökonomischen Ergebnisse der VLG, sondern trug auch wesentlich zur Rufbildentwicklung des Unternehmens bei. Weißwasser entwickelte sich zu einem der bedeutendsten europäischen Glaszentren. Wagenfeld gab einem großen Industrieunternehmen ein Gesicht und ließ mit dem „Rautenglas“ eine Fabrikmarke zum Gütezeichen werden.
Zielstrebig setzte er den Weg vom Kunsthandwerk zur industriellen Fertigung durch, löste die Gebrauchsform aus der Abhängigkeit von der reinen Kunstform. Grundlagen des Erfolges waren Idealismus und Unduldsamkeit, Kreativität und Überzeugungsfähigkeit, mit denen er auch hartnäckige Widerstände überwinden konnte.
Bereits 1937 erhielt das Werk für das Rautenglassortiment einen Grand Prix auf der Pariser Weltausstellung. Auch die von Wagenfeld entworfenen Jenaer Haushaltsgläser wurden in Paris mit einem Grand Prix ausgezeichnet, und sein Fürstenberger Porzellanservice erhielt eine Goldmedaille. 1940 erhielten die Vereinigten Lausitzer Glaswerke auf der Mailänder Triennale nochmals einen Grand Prix.
Wagenfeld profilierte sich in seiner VLG-Zeit zu dem Glasgestalter des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Rückschauend bezeichnete er selbst diese Zeit des kollektiven Ringens um das neue Design als seine besten
Jahre.
Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 24.03.2010