Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
G
lasmuseum Weißwasser !

Museum

Service

Experten-Lupe auf Bahnhof und Innenstadt
Architekturstudenten und Professoren der TU Dresden kommen nach Weißwasser. Ihr Ziel: eine Machbarkeitsstudie.

Von Sabine Larbig


Funktionierende Infrastrukturen sind Grundlage für Stadtentwicklung, Lebensqualität und gesunde Wirtschaft. Weißwasser will all dies erreichen. Das Strukturstärkungsgesetz mit 40 Milliarden Euro Budget bietet die Chance. Allein für die Entwicklung in der sächsischen Lausitz stehen bis 2038 jährlich 120 Millionen bereit. Davon will die Stadt möglichst viele Millionen: für Projekte wie Sanierung, Entwicklung, Gestaltung und Belebung von Bahnhof, Umfeld und der Innenstadt.

Studenten erstellen Konzepte

Wie dies praktisch möglich werden soll und kann, untersuchen ab Donnerstag kommender Woche rund 50 Architekturstudenten und Professoren der TU Dresden. Vier Tage lang prüfen sie Gegebenheiten, Chancen und Möglichkeiten. Immer unter dem Aspekt: Der Mensch steht beim Bauen und Gestalten im Mittelpunkt! Um sich ein genaues Bild des Ist-Zustandes machen zu können, nehmen die Experten der Fakultät Architektur, Lehrstuhl Entwerfen und Konstruieren II, bei Stadtrundgängen alles unter die Lupe. Und sie suchen Antworten auf praktische Fragen wie: Mit welchen Auflagen und Zusatzkosten bei der Sanierung des denkmalgeschützten Bahnhofs ist zu rechnen? Wie ist die Anbindung an Innenstadt, bestehende und neue Wohngebiete, ins Umland fahrende Verkehrsmittel? Braucht es neue Wegeverbindungen ins Zentrum?

Der Studenteneinsatz ist kein Ausflug. Arbeitsergebnisse und Vorschläge münden in einen Wettbewerb, der zur Machbarkeitsstudie führen soll, um Inhalte über die Strukturentwicklung umzusetzen. Die Studie kann visionär sein, muss aber umsetzbar und nachhaltig sein. Denn der Konkurrenzkampf um Projektfinanzierungen und die Profilierung als Modellprojekt „Zukunftsstadt Lausitz“ ist groß.

Zukunftsstadt werden ist erklärtes Ziel von Weißwasser. Fachlich begleitet, beraten, unterstützt wird dabei nicht nur von Studenten, sondern auch dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle und der Sächsischen Agentur für Strukturentwicklung (SAS). Die im Boot zu haben ist wichtig, da die SAS jährlich kommunale Strukturwandelvorhaben, für die ab I. Quartal 2021 Gelder fließen und Begleitausschüsse mit Regionalvertretern bereitstehen, absegnet. Auf dem Weg zum Ziel muss die Glasmacherstadt unbedingt ihren Bahnhof sanieren. Die Chancen stehen gut, obwohl es mit sechs Millionen Euro doppelt so teuer wird einst geschätzt. Aber der Bahnhof ist als eines von acht Lausitzer Projekten auf der Prioritätenliste des Bundes. Der plant Elektrifizierung und Ausbau der Strecke Berlin über Weißwasser nach Görlitz bis Breslau als Schnellbahnverbindung. Ein Haltepunkt Weißwasser ohne sanierten Bahnhof wäre ein Husarenstück.

Modellprojekt Zukunftsstadt Lausitz

„Wir setzen auf das Strukturstärkungsgesetz. Weißwasser und das Umland brauchen einen funktionierenden Bahnhof für mehr Lebensqualität und Weiterentwicklung“, bekennt Stadtchef Torsten Pötzsch. Und er will, wegen der Stadtschulden, dafür wenig ausgeben. „Das ist über das Gesetz und Kombinationen von Förderprogrammen möglich.“ Im günstigsten Fall können kommunale Anteile so auf drei Prozent sinken. Noch ist Zeit für den Finanzpoker. Aber es muss ein klares und umsetzbares Konzept auf den Tisch, weshalb die Studenten da sind und von den Stadtwerken gesponsort werden.

„Wir haben schon das Vorhaben Innenstadt II begleitet und begrüßen das Modellprojekt Zukunftsstadt Lausitz, haben großes Interesse an der Umsetzung in Weißwasser. Dabei geht es nämlich auch um nachhaltige Ver- und Entsorgungskonzepte, niedrige Kosten für Bürger und um den an der alten Ziegelei angedachten Wohnstandort“, begründet Stadtwerke-Geschäftsführerin Katrin Bartsch die Unterstützung der TU Dresden und den Hintergrund. Wird Weißwasser Modellprojekt, so Bartsch weiter, wirke sich dies positiv auf Image und Stadtbelebung aus. Weißwasser brauche „visionäre Ideen“ bei Nachhaltigkeit; ökologischen, energetischen, technisch-funktionalen und wirtschaftlichen Faktoren, unterstreicht Bartsch.

Gute Aussichten für Glasfachschule

Und weil das Strukturstärkungsgesetz auch den Ausbau der Forschungs- und Bildungsinfrastruktur, der touristischen Infrastruktur und der Digitalisierung fördert, setzt die Stadt zum Doppelschlag an. Ziel ist es, die von Experten mit 11 bis 15 Millionen Euro angesetzte Komplexsanierung des Areals Glasfachschule ebenfalls zu verwirklichen. Positiv: Die Schule steht, wie der Bahnhof, bereits auf der schon erwähnten Prioritätenliste und ist auch für Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer ein Weißwasseraner Schwerpunktthema. Wie Kretschmer gegenüber Tageblatt erklärte, wolle man die Immobilie „auf Vorrat entwickeln“. Das bedeutet: Grundsanieren und Erhalten, bevor ein an Nutzer angepasster Um- und Ausbau erfolgt. Ein Prinzip, welches Bund und Land beim Kavalierhaus im Fürst-Pückler-Park bereits anwandten. Möglicherweise muss die Glasfachschule nicht so lange wie das Gebäude der Nachbarstadt auf Nutzung warten. „Es gibt interessierte Unis, Forschungseinrichtungen und Institute, die an einer Ansiedlung oder Außenstelle dort interessiert sind“, so Weißwassers Stadtchef.

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 22. Oktober 2020


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail:
info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung:
25.10.2020


Noch ist der Bahnhof Weißwasser ein Schandfleck. Das kann sich bald ändern.
© Foto: J. Rehle
 
 
 

 
 
I