Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
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Wer braucht schon Glas, das nicht kaputt geht?
Muskauer Erfindung im Weißwasseraner Glasmuseum vorgestellt / mdr-Fernsehen dreht Dokumentation

Von
Christian Köhler


Im Weißwasseraner Glasmuseum treffen sich zu einem mdr-Dreh alte Bekannte wieder: Dr. Dieter Patzig, der 1977 das chemisch verfestigte Glas (CV-Glas) in Bad Muskau mit erfand, und Dietrich Mauerhoff, der es in Schwepnitz produzierte. Gemeinsam blicken sie auf die Geschichte des DDR-Stapelglases.

Noch vor der Wiedervereinigung gab es sie in fast jeder Kneipe: Stapelgläser. Heute sind sie dagegen nur noch schwer zu bekommen. Ihre Produktion wurde 1990 eingestellt. Was sie aber von Biertulpen, Saftgläsern oder Maßkrügen unterscheidet, ist ihre Festigkeit. "Unsere Gläser halten 15 Mal länger als normale Gläser", erklärt Dieter Patzig. Er hatte gemeinsam mit Dr. Siegfried Schelinski, Klaus Heinrich und Bernd Grueger 1977 ein Patent angemeldet, das im Wissenschaftlich-Technischen Betrieb für Wirtschaftsglas (WTW) in Bad Muskau entwickelt wurde.

1975 begann die Entwicklung in der umgebauten Sallmann-Hütte in Bad Muskau. "Wir haben damals Laborversuche, Experimente auf klein- und großtechnischen Anlagen durchgeführt", erzählt Dieter Patzig weiter, "um die Festigkeit und Hitzebeständigkeit des Wirtschaftsglases zu erhöhen." Dabei kamen verschiedene Methoden zum Einsatz, denn die Produktion sollte trotz der hohen Anforderungen wirtschaftlich sein. Denn bestehende thermische Verfahren, die Gläser zu verfestigen, benötigen einen höheren Material- und Energieaufwand.

Es gelang, ein chemisches Verfahren zu entwickeln, was dünnwandige Gläser weniger anfällig für Brüche machte als herkömmliche. Dafür leisteten Berliner Wissenschaftler entscheidende Grundlagen, die in Bad Muskau schließlich in das Verfahren für chemisch-verfestigte Gläser (CV-Glas) mündete. "Man konnte die Gläser sogar fallen lassen, ohne dass sie gleich in Scherben zersprangen", erläutert Patzig. Die Entwicklung des Kombinat Lausitzer Glas Weißwasser ist bis heute einzigartig auf der Welt.

Das "Superfeste Glas" sollte dann im ehemaligen VEB-Werk Sachsenglas Schwepnitz von 1980 bis 1990 produziert werden. Dafür verantwortlich war Dietrich Mauerhoff, der dem Glasmuseum Weißwasser ebenfalls einen Besuch abstattete.

Mauerhoff erhielt Ende 1970er Jahre den Auftrag des damaligen Ministeriums für Glas- und Keramikindustrie der DDR, das Schwepnitzer Werk mit einer neuen Produktionshalle zu erweitern. Dafür wurde insgesamt eine Million DDR-Mark bereitgestellt. Vom Industrieofenbau Jena erhielt das Werk schließlich die nötige Technik, die Gläser herzustellen. "Wir haben während der gesamten zehn Jahre etwa 110 Millionen Gläser in mehreren Größen hergestellt", erinnert sich der Schwepnitzer.

Trotz des großen Erfolges: Das letzte CV-Stapelglas in Schwepnitz lief am 1. Juli 1990 vom Band. "Es scheint heute nicht mehr wirtschaftlich zu sein, Glas herzustellen, was nicht so schnell kaputt geht", sagt Dietrich Mauerhoff. Nach der Wende wurde das Glaswerk mit samt der Technologie aufgelöst, Maschinen und Anlagen gewinnbringend verkauft oder verschrottet.

Für die Technologie aus der Lausitz für verfestigte Gläser aus DDR-Zeiten hat sich bis heute kein Interessent mehr gefunden. "Es darf offenbar nur Glas geben, was leicht zerbricht", mutmaßt auch Dieter Patzig, "damit mehr davon verkauft werden kann."

Zum Thema:
Am kommenden Dienstag ab 16 Uhr berichtet das mdr-Fernsehen in seiner Sendung "mdr um 4" von den chemisch verfestigten Stapelgläsern, die seinerzeit im WTW Bad Muskau entwickelt und bis 1990 in Schwepnitz produziert wurden. Gedreht wurde im Glasmuseum, in der Gaststätte "Broilereck" und in Schwepnitz.Mehr Informationen zum Thema "Superfeste Gläser" gibt es unter www.glasmuseum-weisswasser.de. Videos gibt es zudem auf www.youtube.com.


Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 21.1.2017


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E-Mail:
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Aktualisierung:
21.01.2017


 

Dietrich Mauerhoff (links) und Dieter Patzig mit der Patenturkunde der Erfindung im Glasmuseum Weißwasser.
Foto: Ch. Köhler