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Zweifel am europäischen Kongress der Glasindustriellen in Weißwasser

Von JOCHEN EXNER UND WERNER SCHUBERT


Zum ersten Teil der in der RUNDSCHAU veröffentlichten Jubiläumsleiste von Lutz Stucka „Jahrestage, die 2010 in Weißwasser anstehen“ (LR vom 7. Januar) haben sich die Heimathistoriker Werner Schubert und Joachim Exner mit kritischen Einwänden zu Wort gemeldet:

„Als wir diese Überschrift und den Namen des Autoren lasen, wussten wir sofort: Ein Datum hat er garantiert vergessen - den 160. Geburtstag Joseph Schweigs, des ersten Ehrenbürgers der Stadt Weißwasser“, schreiben sie. Denn schon in seinem Heimatbuch „Von der Muskauer Heide zum Rotstein“ sei Stucka ohne einen Beitrag über Joseph Schweig ausgekommen, den viele Zeitgenossen als Begründer der Stadt und seiner Glasindustrie priesen. Exner und Schubert vermuten darin sogar Methode, denn das Verschweigen von Schweigs Verdiensten habe nach 1945 eine lange, unrühmliche Tradition gehabt.

„Leider ist das nicht das einzige Manko der Jahrestagsdaten'“, heißt es in dem Brief weiter. „Vor 110 Jahren, also genau am 20. März 1900, soll es einen europäischen Kongress der Glasindustriellen im OSRAM Werk gegeben haben. Wir haben den Autor schon mehrfach gefragt, ob er dafür eine Quelle hat. Das war bisher leider vergebens. In der einschlägigen Literatur ließ sich bisher kein Hinweis finden. Es handelt sich also, vorsichtig ausgedrückt, um eine Legende, eine schöne freilich.

In der Festschrift der OSRAM-GmbH KG vom 12. 07. 1924 wäre der Direktor des Werkes in seinem Jubiläumsbeitrag sicher an diesem Ereignis nicht vorbeigegangen.

Und wenn sich die Herren in Weißwasser getroffen hätten, dann garantiert nicht im OSRAM-Werk. Denn zu diesem Konzern gehörten Teile des Werkes erst 1920, dem Gründungsjahr von OSRAM. Im Jahr 1900 stand auf den Briefköpfen „Neue Oberlausitzer Glashüttenwerke Joseph Schweig & Co.“ Ist das wieder Folge der Verschweigetaktik oder nur Nachlässigkeit?

Und 1905, als daraus eine Aktiengesellschaft unter dem Dach der AEG entstand, blieb der Name erhalten, nur fiel der Vorname Joseph weg, was übrigens auch dem Registerbeamten am Amtsgericht Muskau entging. Auf den wütenden Protest des Direktors V. Krebs musste der Reichsanzeiger die richtige Adresse (ohne den Vornamen) auf Kosten des Muskauer Amtsgericht erneut veröffentlichen.

Schließlich hätten die Glasindustriellen auch noch keine Glasblasmaschine besichtigen können. Die liefen um die Zeit auch in Amerika noch nicht. Und erst 1903 schloss Emil Rathenau für die AEG mit dem amerikanischen Konzern General Elektrik ein Kartellabkommen, dass die Voraussetzung für den Austausch von Technik und Patenten gewesen wäre. In Weißwasser ließ der OSRAM-Konzern erst 1926 eine solche Kolbenblasmaschiene aufstellen.

In der Heron Buchhandlung kann man zum Preis von 5,80 Euro übrigens eine Miniatur zu Joseph Schweig kaufen oder sich beim Verein „Zukunft gestalten – ohne zu vergessen“ die entsprechende Dokumentation abholen.“

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 13.01.2010


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Aktualisierung:
21.01.2010