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Flüchtlingsnot, Hunger und Plünderungen VON GERD GRÄBER Der Altkreis Weißwasser war besonders hart von der nationalsozialistischen Hinterlassenschaft gekennzeichnet und galt als Notstandskreis I. Ordnung. Die Wasser-, Strom- und Gasversorgungsanlagen in Weißwasser und Muskau waren zerstört. Eine geregelte Produktion gab es nicht mehr. In
einem Bericht der Leitung der Grube Hermann an die KPD-Kreisleitung Weißwasser
vom 16. März 1946 heißt es: „Die Grubenanlagen Hermann, Adolf,
Caroline sind ersoffen und nicht förderfähig. Die Verladeeinrichtung
der Grube Caroline sowie die Hauptbühne der Grube Hermann und Adolf und
die Brikettfabrik sind ebenfalls durch Brand zerstört …“ Unter
diesen Umständen begann der Aufbau des Betriebes.
Kohle
wurde aber dringend benötigt. Auch die Glasindustrie lag in Trümmern.
Die „Luisenhütte“, die „Germania“ und „Hirsch, Janke und
Co.“ waren so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass an einen
Wiederaufbau nicht zu denken war.
Auch
die „Bärenhütte“ war stark zerstört. Die „Osram“ war durch
Verlagerung von Maschinen betriebsunfähig. An Betriebsgebäuden gab es
Zerstörungen.
In
Muskau war es nicht viel anders. Das Rathaus war völlig zerstört, das
alte Schloss war stark zerstört, das neue Schloss wurde erst in den
Nachkriegswirren in Brand gesteckt.
Kriegsschäden
wiesen die Papierfabrik Köbeln und das Schaltgerätewerk auf, sodass
sie nicht produzieren konnten. Ähnliches traf auch für die Vereinigten
Lausitzer Glaswerke, Farbglaswerk, Neuglas, Porzellanfabrik Hannemann
und Co. Formenbau Schulze und Kluge in Weißwasser, für die Keulahütte
und das Steinzeugwerk in Krauschwitz, für das Silikat- und
Schamottewerk und das Glaswerk Eckert in Rietschen und für das
Drahtseilwerk in Boxberg ein. Diese Auflistung beweist, wie hart umkämpft
das Kreisgebiet gewesen war.
Im
gleichen Bericht der KPD-Kreisleitung an die KPD-Bezirksleitung Sachsen
vom 17. März 1946 heißt es zur Lage in der Landwirtschaft: „Das
gesamte Getreide auf den Feldern, der Viehbestand, und was nicht
abgeschleppt werden konnte, wurde vernichtet. Im ganzen Kreis gab es nur
noch drei Schweine und einige Stück Vieh und Geflügel …“
Im
Bericht von Landrat August Heiden (SPD) vom 15. März 1946 sind Zerstörungen
und Beschädigungen von 49 Schulen, 16 Verwaltungsgebäuden, 27 Kirchen,
drei Krankenhäusern, 11 Elektro-, Gas- und Wasserwerken, fünf
Bahnanlagen und 4858 Wohnungen genannt (bezogen auf den damaligen Kreis
Rothenburg).
Im
Bericht von Ferdinand Greiner an Anton Ackermann vom 24. Juni 1945 heißt
es: „Das Flüchtlingsproblem wird zur Katastrophe bei uns. Alle
Einwohner östlich der Neiße werden nach hier ausgewiesen, alle aus dem
Westen kommenden werden nicht über die Neiße gelassen. In der Umgebung
gibt es schon über 5000 Flüchtlinge, die nicht weiter können. In Weißwasser
selbst sind schon 5000 Einwohner zurückgekehrt und nichts gibt es zu
essen.“
Ferner
heißt es: „Am schlimmsten werden wir heimgesucht durch die Polen. In
Weißwasser liegen über 1000 polnische Soldaten. Sie holen sogar die Möbel
und das bisschen Essen aus den Wohnungen in denen sich die Bewohner
befinden.“ Einen Ausweg aus dieser Lage sah Greiner: „Wir haben
schon alle vorhandenen Lebensmittel beschlagnahmt und speisen täglich
bis 4000 Menschen, wie lange noch, dann ist die Hungersnot da! Hier
Abhilfe schaffen, das kann nur das Kommando der Roten Armee.“
In
Weißwasser erhielten die Menschen, die in Arbeit standen, keinen Lohn,
sondern Lebensmittel gratis zugeteilt. Auch bei der Versorgung mit Möbeln
wurden die verschiedensten Möglichkeiten genutzt.
Da
die Geldfrage von der KPD-Zentrale noch nicht geklärt war, konnte die
Wirtschaft nicht angekurbelt werden. Die Einwohner wehrten sich gegen
die Einführung des alten Geldes, weil sie keines hatten.
In
Weißwasser wurden 30 führende Nazis festgesetzt, darunter auch
Polizeioberleutnant Völker, der für die Überwachung der politisch
Verdächtigen zuständig gewesen war. Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 19.02.2009
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