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 Wie eine Advents-Idee aus Dänemark ihren Siegeszug antrat
Weinachten auf Porzellan zeigt eine Sonderschau des Glasmuseums Weißwasser

Mirko Kolodziej


Es waren im Glasmuseum Weißwasser gegen Ende eines Jahres schon Teddybären ausgestellt. Eine andere Adventsschau widmete sich Porzellanpuppen, eine dritte dem Eishockeysport in der Stadt. Nun heißt es im Erdgeschoss der Villa Gelsdorf zumAbschied vom Jahr 2018: "Winter und Weihnacht auf weißem Gold". Das bezieht sich zunächst einmal auf zur Jahreszeit passende Motive auf Porzellan. Die sogenannten Weihnachtsteller gibt es jedoch auch aus Steinzeug oder aus Pressglas.

Verantwortlich für die Schau ist der Cottbuser Historiker Siegfried Kohlschmidt, ein Sammler von allen möglichen Dingen seit Kindestagen. Die Teller, die er zusammengetragen hat, wurden in Finnland, Frankreich oder Irland hergestellt, stammen aus dem VEB Porzellanfabrik Kahla ebenso wie aus der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin oder der Porzellanfabrik im schwedischen Gustavsberg. Verziert sind sie mit religiösen Motiven, einem Weihnachtsmann im Schlitten oder mit einem Weihnachtsbaum, unter dem Großmutter den Enkeln vorliest.

So wie Hans Christian Andersen, der Schöpfer des zu Weihnachten so gern vorgetragenen Märchens vom kleinen Mädchen mit den Schwefelhölzern, stammt auch die Idee vom Weihnachtsteller aus Dänemark. "Der erste dieser Teller ist 1895 entstanden", sagt Museumsleiterin Elvira Rauch. In Vesterbograde bei Kopenhagen waren es die Leute in der Porzellanmanufaktur Bing & Crendahl, die auf den Gedanken kamen, das saisonale Geschirr zum Sammeln herzustellen. In der Weißwasseraner Schau sind die Dänen mit 20 Motivtellern aus den Jahren 1967 bis 1986 vertreten. Inzwischen ist der Name Bing & Crendahl vom Markt verschwunden. 1987 fusionierte die Firma mit einem Konkurrenten. Auch von diesem zeigt Siegfried Kohlschmidt Sammlerstücke. Aus der 'Königlichen Porzellan-Manufaktur Kopenhagen sind Teller der Jahrgänge 1970 bis 1984 zu sehen. Mittlerweile gibt es die Teller unter der Marke Royal Copenhagen. 2018 streift da ein Fuchs durch eine Winterlandschaft.

Nächste Jubiläumsschau steht an

"Die große Zeit der Porzellan-Weihnachtsteller waren die Jahre zwischen 1970 und 1990. Berühmte Designer wie OIe Winter, Björn Wiinblad, Gianni Versace oder sogar auch Andy Warhol und Salvatore Dali lieferten Entwürfe", ist in der Ausstellung im Glasmuseum zu erfahren. Ob sie mit ähnlich großem Zuspruch rechnen kann wie die zuvor gezeigte Ausstellung mit den Arsall-Stücken, mit denen Weißwassers Vereinigte Lausitzer Glaswerke vor hundert Jahren auf den Markt kamen, bleibt natürlich abzuwarten. Zum Jahreswechsel, bestätigt Elvira Rauch, kommen immerhin vermehrt auch Menschen ins Museum, die hier zum Fest Verwandte besuchen. Den großen Ansturm auf die Arsall-Schau führt die Museumsleiterin jedoch auch auf Werbung zum Beispiel Bärwalder See oder auch in Bad Muskau zurück. Weißwasser profitiert also von den Menschen, die baden und segeln wollen oder die sich im Fürst-Pückler-Park umsehen.

Nächstes Jahr wird im Glasmuseum wiederum ein hundertstes Jubiläum im Mittelpunkt stehen. Die Architektur- und Designrichtung Bauhaus trat 1919 von Weimar aus ihren Siegeszug um die Welt an. Der Weißwasseraner Ehrenbürger Professor Wilhelm Wagenfeld (1900 – 1990), der in den 1930ern bei den Vereinigten Lausitzer Glaswerken die künstlerische Leitung innehatte, war ebenso ihr Schüler wie Ernst Neufert (1900 - 1986), von 1934 bis 1944 Architekt der Vereinigten Lausitz Glaswerke. Eine entsprechende dem Bauhaus sowie seinen Verbindungen nach Weißwasser gewidmete Ausstellung öffnet in der Villa Gelsdorf Ende März. Zunächst allerdings ist "Winter und Weihnacht auf weißem Gold" bis Ende Januar zu sehen. Treffen kann man dabei Rehe an einer Futterkrippe im verschneiten Winterwald ebenso wie Skifahrer oder den im Christentum so bedeutsamen Stern von Bethlehem; alles sorgsam auf Porzellan aufgebracht.

Quelle: Sächische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 18.12.2018


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Aktualisierung: 18.12.2018


 


Foto: M. Kolodziej