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Erinnerung ans Glaswerk:
Hosenaer träumt von Eröffnung eines Glasmuseums
Der Hosenaer Werner Reichelt will in seinem Heimatort ein Museum aufbauen. Mehr als 2000 Exponate aus dem einstigen Glaswerk hat er bereits zusammengetragen.

Von Torsten Richter-Zippack
 



Streit besitzt in Hosena einen guten Ruf. Allerdings nicht als Auseinandersetzung verschiedener Meinungen, sondern als Name. Denn die Gebrüder Streit hatten im Jahr 1906 die Hosenaer Glashütte erbaut und anschließend betrieben. Nach 1945 demontiert und wieder aufgebaut, wurden dort bis 1994 die verschiedensten Glasprodukte hergestellt. Einen Teil davon hat Werner Reichelt zusammengetragen. Der heute 65-Jährige war von 1972 bis 1989 als Instandhalter im örtlichen Glaswerk tätig. Doch seine Sammelleidenschaft wurde erst mit einem Besuch an einem Glascontainer anno 1997 entfacht.
„Damals hatte jemand eine in Hosena produzierte Glaskanne einfach auf dem Container abgestellt, offenbar weil sie nicht hineinpasste. Ich sah das entsprechende Prägezeichen und nahm das Stück mit“, erinnert sich Reichelt.

Eiffelturm steht neben Briefbeschwerern

Inzwischen hat der gebürtige Hosenaer rund 2000 Exponate aus dem heimischen Glaswerk zusammengetragen. In seinem kleinen Schuppen präsentieren sich dicht an dicht unter anderem Vasen, Services, Souvenirs, darunter mehrere Eiffeltürme als Kerzenhalter, und vieles andere mehr. Außerdem finden sich kunstvoll gearbeitete Dosen, Aschenbecher, Briefbeschwerer und selbst Besteck aus Glas. Für weitere Raritäten ist Werner Reichelt regelmäßig auf den Trödelmärkten der Region unterwegs. „Viele Anbieter wissen nicht, was es mit dem Hosenaer Glas auf sich hat. Deshalb bekomme ich die Exponate meist zu günstigen Preisen“, erzählt er. Klar, dass der gelernte Bau- und Kunstschmied auch über die entsprechenden historischen Produktionslisten verfügt. „Leider ist mein Platz begrenzt“, bedauert Werner Reichelt. Deshalb sei ihm die Idee eines öffentlichen Glasmuseums gekommen. „Wir bräuchten eine passende Immobilie. Die entsprechenden Arbeiten wie Renovierungen würden wir in Eigenleistung übernehmen.“ Mit „wir“ meint er seine Kumpels und ehemalige Arbeitskollegen.
Werner Reichelt hat auch schon eine Immobilie im Auge. „Das ehemalige Baugeschäft von Wilhelm Paulitz im Ortszentrum steht derzeit zum Verkauf und wäre für Ausstellungszwecke ideal“, befindet der 65-Jährige. Allerdings wäre ein Sponsor erforderlich, der das Gebäude erwirbt.

Hobbyhistoriker präsentieren sich zur Jahrfeier

Im kommenden Jahr soll es bereits eine Historik-Ausstellung in Hosena geben. Denn im Juni 2021 wird die 620-Jahr-Feier des Ortes stattfinden. Zwei Räume in der Linden-Grundschule dürfen die Hobbyhistoriker dafür nutzen. Zusätzlich zum Hosenaer Glas sollen weitere Exponate traditionsreicher örtlicher Unternehmen präsentiert werden. Neben der Gewinnung von Kohle und Glassand war die Produktion von Glas in Hosena über ein Jahrhundert der wirtschaftliche Motor des Oberlausitzer Ortes. Der Betrieb der Firma Streit stellte unzählige Haushalts- und Industrieprodukte aus Glas her. Plastik gab es damals noch nicht. „Glas war das Porzellan der armen Leute“, sagt Werner Reichelt. Die Erzeugnisse wurden in alle Welt verkauft. Insbesondere das Service „Streit und Stolz“ war der Renner. Die 120-teilige Kollektion, erhältlich in 13 Farben, schaffte es in viele Länder. Und das Service New York zog in zahlreiche Hotels von Big Apple ein. Auch sozial war der Hosenaer Betrieb entsprechend aufgestellt. Von den rund 50 Glashütten Niederschlesiens sind in der Oberlausitzer Gemeinde die höchsten Löhne gezahlt worden.

Allerdings wurde dem Glaswerk die Umstellung auf kriegswichtige Produktion während der NS-Zeit nach Kriegsende zum Verhängnis. Die Rote Armee ließ den Betrieb demontieren und in die Sowjetunion verfrachten. In der DDR-Zeit wurden, wie auch schon davor, insbesondere Fahrzeugleuchten hergestellt. Sämtliche Ost-Autos waren mit Hosenaer Glaslampen ausgestattet.
Im Jahr 1994 folgte wegen Auftragsmangels das Aus für den Traditionsbetrieb. Bis heute kündet die Glaswerk-Ruine von einst glorreichen Zeiten. Bisher sind alle Pläne zur Nachnutzung des Areals gescheitert. „Mein Anliegen ist es, die Geschichte der Hosenaer Industrie möglichst vielen Menschen zu vermitteln“, sagt Werner Reichelt. Die geplante Ausstellung im kommenden Jahr könne dazu der Auftakt sein. Ein entsprechendes Museum wäre das Sahnehäubchen.

Einst drei Glashütten in und bei Hosena

Hosena war früher ein Schwerpunkt der lausitzisch-niederschlesischen Glasindustrie. In der Gemeinde und in deren unmittelbarer Umgebung gab es einst drei Glashütten. Die erste befand sich ab 1875 im zu Lauta gehörenden Ortsteil Johannisthal. Von ihr ist heute nichts mehr zu sehen. Nummer zwei war im Jahr 1896 die Fabrik von Mansuet Eibenstein. Dort befindet sich jetzt das Werksgelände des Stahlbauern Züblin. Und das Werk der Gebrüder Streit folgte im Jahr 1906. Zu DDR-Zeiten war die Produktionsstätte als Volkseigener Betrieb (VEB) Glaswerk Hosena bekannt. Der für die Glasherstellung erforderliche Kristallquarzsand wurde bereits ab 1874 auf Hosenaer Gemarkung abgebaut.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Senftenberg, vom 19.08.2020


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Aktualisierung:
22.08.2020


Der Hosenaer Werner Reichelt sammelt seit 1997 Glasprodukte aus dem ehemaligen örtlichen Glaswerk. Jetzt träumt er vom Glasmuseum.
Fotos: T. Richter-Zippack