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Auch der Ärmste sollte sich das Glas leisten können

Fundstück der Woche: 
Glasmuseum Weißwasser zeigt Sonderausstellung zum 110. Geburtstag von Professor Wilhelm Wagenfeld



Im Jubiläumsjahr zeigt das Glasmuseum Weißwasser auf zwei Etagen eine besondere Wagenfeld-Ausstellung. In der ständigen Ausstellung ist eine erweiterte Sammlung mit Exponaten aus der Weißwasseraner Zeit Wagenfelds zu sehen. Der Sonderausstellungsraum ist Exponaten der anderen Schaffensperioden des Designers vorbehalten, die die Wi1he1m-Wagenfeld-Stifting Bremen als Leihgaben zur Verfügung gestellt hat Diese sind noch bis zum 13.Juni 2010 im Glasmuseum Weißwasser zu sehen. 

Die in der ständigen Ausstellung gezeigten Exponate sind typisch für das kreative Schaffen von Wagenfeld in den Vereinigten Lausitzer Glaswerken (VLG). Sie spiegeln auch das hervorragende handwerkliche Können der Weißwasseraner Glasmacher und -veredler wider- mit dem die anspruchsvollen Ideen Wagenfelds umgesetzt wurden. 

Wilhelm Wagenfeld mit seiner gediegenen kunsthandwerklichen Ausbildung war in der Künstlerkolonie Worpswede und am Bauhaus in Weimar tätig. 1935 holte ihn der Aufsichtsratsvorsitzende der VLG. Dr. Karl Mey. als künstlerischen Leiter nach Weißwasser. um das damals rund 60 000 Einzelartikel umfassende Produktionssortiment zu verbessern. Wagenfeld gelang es. die besten Facharbeiter von seinen Ideen zu begeistern. Mit ihnen schuf er neben dem vorhandenen, nur sehr schwer beeinflussbaren Sortiment die ästhetisch und technisch hochwertige Rauteriglas-Linie, die sich durch Schönheit und Zweckmäßigkeit gleichermaßen auszeichnete. Sie wurde teilweise noch bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts gefertigt. 

„Auch das allereinfachste Glas kann schön sein“, ließ Wagenfeld in einer Anzeige für Rauten-Pressglas verkünden und vertrat die Auffassung, dass Glas so schön sein sollte, dass der Reichste sich wünscht, es zu besitzen und der Ärmste es sich leisten kann. 

Der durch Wagenfeld erreichte Qualitätssprung stabilisierte nicht nur die ökonomischen Ergebnisse der VLG, sondern trug auch wesentlich zur Rufbildentwicklung des Unternehmens bei. Weißwasser entwickelte sich zu einem der bedeutendsten europäischen Glaszentren. Wagenfeld gab einem großen Industrieunternehmen ein Gesicht und ließ mit dem "Rautenzeichen" eine Fabrikmarke zum Gütezeichen werden. Zielstrebig setzte er den Weg vom Kunsthandwerk zur industriellen Fertigung durch, löste die Gebrauchsform aus der Abhängigkeit von der reinen Kunstform. Grundlagen des Erfolges waren Idealismus und Unduldsamkeit, Kreativitat und Überzeugungsfähjgkeit, mit denen er auch hartnäckige Widerstände übelwinden konnte. 

Bereits 1937 erhielt das Werk für das Rautenglassortiment einen Grand Prix auf der Pariser Weltausstellung. Auch die von Wagenfeld entworfenen Jenaer Haushaltsgläser wurden in Paris mit einem Grand Prix ausgezeichnet und sein Fürstenberger Porzellanservice erhielt eine Goldmedaille. 1940 erhielten die Vereinigten Lausitzer Glaswerke auf der Mailänder Triennale nochmals einen Grand Prix. 

Wilhelm Wagenfeld profilierte sich in seiner VLG-Zeit zu dem Glasdesigner des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Rückschauend bezeichnete er selbst diese Zeit des kollektiven Ringens um das neue Design als seine besten Jahre. 

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 15.04.2010


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Aktualisierung:
02.06.2010