Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
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 Laudatio anlässlich der Eröffnung der Sonderausstellung zu Ehren des 75. Geburtstags 
des Glasdesigners Horst Gramß


VON HANS SCHAEFER


Personalausstellungen gehören seit Bestehen des Glasmuseum Weißwasser zum Grundbestand des Ausstellungsprogramms. Im Industriezweig Glas spielt seit alters her das Glasdesign eine wichtige Rolle, und wenn es sich dann noch um einen lebenden Künstler handelt, dann ist allerseits die Freude besonders groß. Schön – dass dies auch für Horst Gramß und seine Ausstellung zutrifft.

Er stammt aus Lauscha, dem Zentrum der Thüringer Glaskunst. Dort besuchte er die Grundschule und im Anschluss daran die Fachgrundschule für Angewandte Kunst Lauscha. Diese schloss er als Kunstglasbläser ab. Der Glasbläser ist etwas anderes als der bei uns einst anzutreffende Glasmacher. Der Glasmacher arbeitet seine Erzeugnisse aus dem „Ersten Feuer“, d.h. im Anschluss an die Schmelze. Der Glasbläser arbeitet aus dem „Zweiten Feuer“, er verarbeitet Halbfabrikate, wie Rohre und Stäbe, durch Wiedererwärmen vor der Lampe, einer sehr heißen Flamme, ähnlich einem Schweißbrenner.

Nun schloss sich für Horst Gramß von 1954 bis 1957 ein Studium an der Fachschule für Angewandte Kunst in Magdeburg an, das er als Gestalter abschloss. Noch im Abschlussjahr geht er als Gestalter nach Weißwasser, wo er bis 1990 in verschiedenen Glaswerken bzw. Institutionen tätig wird. Sein Exodus aus Lauscha und seine Ankunft in Weißwasser… Das war ein Akt voller Mut; Ausdruck eines ausgeprägten Selbstbewusstseins! Ein Vollblut-Thüringer in der Lausitz – könnte ein Musical-Titel sein, analog „Ein Amerikaner in Paris“!

Obwohl in Weißwasser seit 1950, noch auf Empfehlung Wagenfelds, die „Werkstatt für Glasgestaltung“ unter Friedrich Bundtzen tätig war, bemühte man sich dort noch hauptsächlich um die Erfüllung der Gestaltungs- und Qualitätsansprüche Wagenfelds. Es überrascht nicht, dass die ersten Jahre im Arbeitsleben von Horst Grams ausgefüllt waren mit Anfertigung von Formenzeichnungen, Formenschnitten für die Hütte, TKO-Arbeiten (Technische-Kontroll- Organisation), Schliffzeichnungen usw. Aber nach und nach gelang es ihm, eigene Arbeitsfelder in der Glasgestaltung zu erobern. Es spricht für seine künstlerische Redlichkeit, dass er nie daran dachte, ein zweiter Wagenfeld zu werden, sondern vielmehr ein erster Gramß, der mit sicherem Gespür für die neuen Realitäten auch neue Entwürfe auf den Tisch legte. Er hatte gleichermaßen Sinn für Notwendiges und Machbares. Teilweise musste ganz von unten begonnnen werden: Z. B. TGL 37132 – Geschirr und Ziergegenstände aus Glas. Glaserzeugnisse. Begriffe; weiterhin Vereinheitlichung von Gläsern für Bier, Wein, Sekt, Likör usw.

An dieser Stelle eine kurze Abblende: 
Mit unserer heutigen Sonderausstellung beginnt der Förderverein Glasmuseum eine Schriftenreihe, deren Publizierung sich über die kollegiale und freundliche Unterstützung durch die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien und die WBG. Wohnungsbaugesellschaft mbH Weißwasser freuen darf. Dieses Heft 1 stammt aus der Feder des Designers selber und trägt echte autobiografische Züge. Die Aufschreibung, druckreif bearbeitet durch den Presse-Atachee des Fördervereins, Reiner Keller, erfolgte mit dem Ziel, der Nachwende-Generation der Grossfamilie typische Charaktere unter typischen Umständen vorzustellen. Wenn Sie dieses Heft in der Hand halten und es zunächst mal nur flüchtig mit Daumen und Zeigefinger durchblättern, dann werden Sie sofort durch die schmissigen Entwurfskizzen gefesselt und werden an vielen Stellen denken „Dies und Das - möchte ich auch haben!“

Besondere Höhepunkte fallen auch dem Amateur auf; das möchten Sie wohl auch…

• Kelchserie „Marlen“, 1963 entstanden, 1964 Goldmedaille auf der Leipziger Messe
• Bowlensatz A.4984/2730, Gütezeichen „Q“ und Goldmedaille des Messeamtes Leipzig
• Kelchserie A.1070, 1982, in glatt oder optisch oder geschliffen. Gütezeichen „Q“ und Prädikat „Gutes Design“
• Orden „Banner der Arbeit“, Stufe 1, für die Ausstattung des Palastes der Republik mit Gläsern. Insbesondere diese Stücke sind heue gesuchte Souvenirs

Diese Aufzählung soll nur Appetit machen … alles weitere in der Ausstellung und. im Heft.

1992 trat Horst Gramß in den Vorruhestand. 1993 trat er in den Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V. ein. 2009 wurde er Leiter der Arbeitsgruppe Bewertung im Förderverein .

Der Förderverein dankt Dir, lieber Horst, an dieser Stelle für die geleistete Arbeit und wünscht Dir weiterhin beste Gesundheit und wir freuen uns auf neue gemeinsame Erfolge im vierten Viertel Deines Lebens:

Lassen Sie mich schließen mit einer anekdotenhaften Begegnung mit Host Gramß:

Wir eröffneten hier im Museum die Weihnachtsausstellung 2008 mit Lauschaer Christbaumschmuck. Ich schilderte Begegnungen mit Thüringen, Thüringern und Lauscha. Begegnungen , bei welchen ich immer ein neugieriger und ein guter völkischer Beobachter war. Horst Gramß klopfte mir nachher auf die Schulter und sagte: „Mööönsch, Hans, genauso wie Du das geschildert hast, so ist das wirklich in Lauscha!“



Quelle: Glasmuseum, Januar 2011


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Aktualisierung: 14.01.2011