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 Projekt „Modellfall Weißwasser“ zeigt Wirkung:
Stadtmarketing der kunstvollen Art

Von Christian Köhler


Wenn sich Volkshaus und Neufert-Bau Lichtzeichen geben, sollten auch die Bürger wieder miteinander reden.

Im Oktober sind der Bauhaus-Architekt Ernst Neufert und auch der Glasdesigner Professor Wilhelm Wagenfeld nach Weißwasser gekommen. Symbolisch natürlich, dargestellt von Schauspielern, stiegen sie aus dem Waggon der Waldeisenbahn Muskau. Inzwischen sind zehn Wochen vergangen und das Kunstprojekt „Modellfall Weißwasser – das Masz aller Dinge“ hat sich in die Stadtgeschichte gegraben, sich intensiv mit den in Weißwasser wirkenden Neufert und Wagenfeld auseinandergesetzt. Im Ergebnis steht: „Das Volkshaus und der Neufert-Bau sind beide für die Stadt prägende Gebäude“, ist sich der künstlerische Leiter Stefan Nolte sicher. Um das künstlerisch aufzunehmen, haben die Berliner Künstler beide Häuser miteinander sprechen, sie über die 180 Meter weite Entfernung reden lassen.

Am Dienstagabend nämlich sind zwei Lichter der besonderen Art angegangen: Nach vielen Jahren Dunkelheit senden sich nun das Volkshaus und der Neufert-Bau in Weißwasser wieder gegenseitig Lebenszeichen. „Für uns ist es der Versuch, wenn beide Häuser miteinander reden, dass hoffentlich auch die Menschen wieder miteinander ins Gespräch kommen“, erklärt Stefan Nolte das Anliegen den gut 30 Weißwasseranern, die sich beim ersten Schneefall am Ende dieses Jahres auf der Schnitterbrache eingefunden haben, um der Zeremonie beizuwohnen. „Wir hätten lieber eine Lichterkette zwischen beiden Häusern gespannt, aber das ging wegen der Bahnlinie nicht“, begründet Hendrik Scheel, der in der fünfköpfigen Künstlergruppe für die Bildende Kunstwerkstatt verantwortlich ist.

Das Kunstprojekt hat sich vorgenommen, fünf Werkstätten einzurichten. Am Ende soll es ein Stadt- und Straßentheater im Sommer 2019 geben. 2019 deshalb, „weil das Gründungsjahr des Bauhauses sich zum 100. Mal jährt“, begründete schon Professor Holger Schmidt, Vorsitzender des Neufert-Bau-Vereins beim Projektstart. Weißwasser soll dabei zur Bühne werden, sich als Bauhaus-Stadt präsentieren. Und mit der dabei gewonnen Aufmerksamkeit hoffen die Mitglieder des Vereins, finanzielle Mittel für den Erhalt der beiden nun miteinander „sprechenden“ Gebäude zu bekommen.

Keine leichte Aufgabe, denn die Gräben zwischen Volkshaus- und Neufert-Bau-Anhängern scheinen bislang unüberwindlich. „Wir wollen keine Konkurrenz, sondern ein Nebeneinander“, betont Stefan Nolte. Deshalb auch das Licht-Projekt zwischen beiden Bauten.

Bei den Recherchen nämlich, die für das Kunstprojekt angelaufen sind, sei das Künstlerteam nicht nur auf widerstreitende Parteien gestoßen, sondern „vor allem auf interessante Menschen, die sich für ihre Stadt und ihre Heimat begeistern“, berichtet Stefan Nolte den Gästen. Dazu zählen etwa Hans Schaefer, der ab 1968 in der heute leer stehenden Glasfachschule unterrichtete, Uli Teichert, der im Volkshaus arbeitete und die Glasindustrie kennt, oder auch Glaskalfaktor Vroni Gröschner, um nur einige zu nennen.

Von der Schnitterbrache ging es dann am Dienstagabend für Künstler und Weißwasseraner zum Neufert-Bau. Dort wurde die erste von sieben Bautafeln eingeweiht. Das haben Ernst Neufert und Wilhelm Wagenfeld „höchst persönlich“ vorgenommen. „Alle Tafeln können bei einem Stadtspaziergang besichtigt werden“, berichtet Stefan Nolte. Zu den Stationen zählen der Bahnhof, die Telux, das Volkshaus usw. Hintergrund ist, sich eine neue Idee zu überlegen, wie diese Gebäude genutzt werden könnten, berichtet Hendrik Scheel. „Denn aus unserer Sicht von außen geht es für Weißwasser darum, sich zu überlegen, welchen Gebrauch man für leer stehende Gebäude in Zukunft haben will“, erklärt Hendrik Scheel. Wer mitmachen will, ist herzlich eingeladen.


Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 13.12.2018


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Aktualisierung: 13.12.2018


 

Am Dienstag ist eine von sieben Bautafeln in Weißwasser enthüllt worden. Hier haben sich Wilhelm Wagenfeld und Ernst Neufert – Schauspieler haben den Designer und den Architekten dargestellt – betätigt. Die Tafeln sollen einen Stadtspaziergang ermöglichen und Ideen zeigen, die Gebäude zu nutzen.
Foto: J. Rehle
Erste Lesung im Rahmen des Kunstprojektes für das Bauhaus-Jahr 2019 in Weißwasser: Hier lesen Ernst Neufert (l.) und Wilhelm Wagenfeld Auszüge aus Wilhelm Lotz` Werk: „Reise zu den Glasbläsern“ im „Masz-Laden“ am Weißwasseraner Marktplatz. Foto: Christian Köhler
Symbolisch leuchtet im 30-Sekunden-Takt von nun an eine Zimmerlampe im Volkshaus. Das gilt auch für den Neufert-Bau.
 Foto: Ch. Köhler