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Ein Lied für Weißwasser
Musik ist die Leidenschaft von Bernadette LaHengst. In der Lausitz sollen sich andere davon anstecken lassen.

Von Anett Böttger



Bernadette LaHengst steht im kleinen Saal des Volkshauses in Weißwasser und schlägt kräftig die Seiten ihrer E-Gitarre an. Akkorde hallen durch den Raum, verstärkt durch Klänge aus einem Synthesizer, die schließlich von der klaren, hellen Stimme der Sängerin aus Berlin übertönt werden. Vor kleinem Publikum und einer Fernsehkamera präsentiert sie einen selbst geschriebenen Song. Dafür ließ sie sich von einem Satz des antiken griechischen Philosophen Protagoras inspirieren, der meinte: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge“.

Die Wahl dieses Zitats für ihren Songtext ist kein Zufall. Die Musikerin wirkt beim Projekt „Modellfall Weißwasser“ mit, das im Untertitel den Zusatz „Das Masz aller Dinge“ trägt. Gemeinsam mit möglichst vielen Akteuren vor Ort wollen Künstler dabei das Bauhaus-Erbe in der Glasmacherstadt wieder stärker ins Bewusstsein holen.

Bernadette LaHengst leitet innerhalb des „Modelfalls“ die Werkstatt für Musik und Chöre. Gelegenheit für den kurzen Auftritt im Volkshaus hatte sie im Januar, als sie mit dem Projektteam verschiedene Orte in Weißwasser besichtigte, die im Juni einen Parcours durch die Stadt bilden und bespielt werden sollen. Die 51-Jährige wuchs in Bad Salzuflen (Nordrhein-Westfalen) auf. „Ich bin jedoch kein Landmensch mehr“, gesteht die deutlich jünger wirkende Frau mit den blonden Haaren. Seit 1987 lebe sie in Großstädten. In Hamburg spielte sie bis 2000 zehn Jahre lang bei „Die Braut haut ins Auge“, einer reinen Frauenband, die drei CDs produziert hat. Meist tritt die Songschreiberin inzwischen allein auf. Ihr siebtes Soloalbum mit 13 neuen Songs kommt Mitte März heraus. „Damit gehe ich auf Tournee“, sagt sie.

Musik begleitet die Mutter einer 14-jährigen Tochter schon von klein auf. „Ich habe als Kind Klavier gespielt und im Chor gesungen“, erzählt sie. „Meine Leidenschaft für Chöre ist also schon sehr alt.“ Später reiste die Autodidaktin mit ihrer Gitarre durch Europa und trat viel auf der Straße auf. Sie legt Wert auf selbst geschriebene Lieder und lehnt Coverversionen daher ab. „Das, was man singt, sollte mit dem eigenen Leben zu tun haben.“

An Stadt- und Dorfprojekten mit Teilnehmern aus der Bevölkerung war Bernadette LaHengst nach eigenen Angaben schon mehrfach beteiligt. So half sie in Wittenburg (Mecklenburg-Vorpommern) 2000 mit, einen Beschwerdechor zu gründen. „Wir bespielten dort 14 verrottete Häuser in einer Straße, um ihnen eine neue Geschichte zu geben“, berichtet die Musikerin. „Nach einer Woche konnte man sich an die Leere und Trostlosigkeit kaum noch erinnern.“ Offenbar erregte das Kunstprojekt Aufmerksamkeit: zwei Häuser seien später verkauft worden. In Weißwasser probte die Songschreiberin schon mehrfach mit dem Stadtchor. Die Mitglieder bat sie, Fragebögen auszufüllen, damit sie mehr über Visionen und Ideen der Menschen vor Ort erfährt. Sie bekam sehr ausführliche Antworten, die mehr oder weniger in ein Lied über die Stadt einfließen sollen. Leute, die sie beim Verfassen des Songs unterstützen wollen, sind willkommen – ebenso wie weitere Sängerinnen und Sänger. Bernadette LaHengst stellt sich einen „Chor der Vielstimmigkeit“ vor, der verschiedene Altersgruppen vereint und zum Parcours im Juni auftritt. Sie selbst will schon am 6. April ein kleines Konzert geben - beim „Frühjahrsputz nach Masz“ an verschiedenen Orten in Weißwasser.


Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 13.03.2019


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Aktualisierung:
13.03.2019


 

Wenn Bernadette LaHengst unterwegs ist, hat sie ihre Gitarre nahezu immer dabei, wie hier auf dem Marktplatz von Weißwasser. © Foto: R. Ullmann