Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
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Gläser frisch in Szene gesetzt
Das Glasmuseum Weißwasser öffnet am 15. Juni – mit neuen Akzenten. Und dann steht ja auch noch ein Jubiläum an.

VON CONSTANZE KNAPPE


Lavendel, Grün und Blau. Nein, die Rede ist nicht von leuchtenden Feldern in der Provence. Ab sofort setzen die drei Farben Glas in Weißwasser noch besser in Szene. Lange sieben Monate war das Glasmuseum wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Am 15. Juni, dem kommenden Dienstag, öffnet es wieder für die Besucher. Und dafür haben sich Museumsleiterin Christine Lehmann und ihr Team etwas einfallen lassen: Sie haben drei Räume neugestaltet. Dabei erhielten aber nicht nur die Wände einen Anstrich in kräftigen Farben. Die Vitrinen wurden gewissermaßen „entspeckt“ und ihr Inhalt den Sehgewohnheiten angepasst. Dazu entstanden auch neue Texte. Kurzum, die Besucher dürfen sich auf eine Ausstellung mit neuen Akzenten freuen.

Aura durch Farbe und Licht

Vor allem sollte die Fläche für die Arsall-Vasen eine Frischekur erhalten. Dabei handelt es sich um eine spezielle Ätztechnik zur Bemusterung von Glas. Dem Jubiläum „100 Jahre Arsall-Glas“ hatte das Museum 2018 eine Sonderschau gewidmet. Solche aus mehreren Glasschichten bestehenden Vasen wurden auch in den Vereinigten Lausitzer Glaswerken hergestellt, allerdings nur von 1918 bis 1929. Die Stücke erlangten Seltenheitswert. „Vor einigen Jahren erhielt unser Museum eine große Schenkung. Davon können wir jetzt mehr zeigen, ohne dass es so vollgestellt aussieht“, freut sich Christine Lehmann. Vor einer dunkelgrünen Wand kommen die Vasen nun besonders gut zur Geltung. Dabei korrespondiert die Farbe mit dem Grün des letzten Überfangs der Arsall-Gläser.

Doch bei dem einen Raum blieb es nicht. „Wir haben Blut geleckt“, gesteht die Museums-Chefin lachend. Ein zweiter Raum, in welchem technische Elemente der Glasherstellung gezeigt werden, erhielt einen Anstrich in Lavendel. Dieser bringt das Holz noch besser zur Wirkung. Ebenso wie das Dunkelblau die Tiefe der unterschiedlichen Schliffe im dritten Raum. „Man musste sich schon überwinden, so große Flächen in den dunklen Farben zu streichen. Aber das Ergebnis spricht für sich“, sagt Christine Lehmann. Man merke den Unterschied, wenn man in die anderen Räume komme. Diese sollen im Winter folgen. Finanziert wurde die Renovierung durch den Förderverein des Museums.

Neu ist die Beleuchtung der Vitrinen. Damit bekäme jedes Objekt eine Aura, betont Christine Lehmann. Diese sei zwar schon allein durch die Geschichte der Gläser vorhanden, werde aber durch die neue Präsentation umso mehr für die Betrachter spürbar. „Durch die Beleuchtung bekommt jedes einzelne Glas eine Bühne“ – wie etwa die Parfumflakons, die zwischen 1910 und 1920 in Weißwasser hergestellt wurden.

Die Museumsleiterin ist schon sehr gespannt auf die Reaktion der Besucher. Für diese gelten vorerst Maskenpflicht, Negativ-Test oder Impf- beziehungsweise Genesenen-Nachweis und die Erfassung der Kontaktdaten für eine eventuell erforderliche Nachverfolgung. Auch sollte man sich vorher anmelden, da sich wegen der kleinen Räume nur neun Besucher gleichzeitig im Museum aufhalten dürfen, wobei Geimpfte nicht mitzählen.

Dass sich Interessenten auch diesmal nicht von derlei Beschränkungen abhalten lassen, hofft man im Glasmuseum. Im Vorjahr habe es „richtig gut funktioniert“. Touristen aus dem Muskauer Park oder dem Findlingspark Nochten hätten bei der Gelegenheit gern einen Abstecher ins Glasmuseum Weißwasser unternommen. Zwar fiel der Start im Mai 2020 ziemlich verhalten aus, aber ab Juni wurde das Angebot gern und gut genutzt. „Weil das Bedürfnis da ist“, weiß Christine Lehmann von den Besuchern.

Sonderschau ehrt Horst Gramß

Ab 2. November war dann ganz geschlossen. Nie und nimmer hätte sie gedacht, dass es so lange dauern würde. Andererseits habe man sich verpflichtet gefühlt, Besucher und Mitarbeiter nicht zu gefährden – zumal viele Ehrenamtler, die das Museum unterstützen, älter als 65 Jahre sind. Inzwischen seien die meisten aber geimpft.

Wegen der langen Schließung musste umdisponiert werden. Eigentlich wollte man Horst Gramß, einen der letzten noch lebenden Glasgestalter, anlässlich seines 85. Geburtstages im Februar mit einer Personalausstellung ehren. Diese ist nun mit der Wiedereröffnung ab 15. Juni zu sehen. Eine Vernissage erlaubt die Corona-Schutzverordnung allerdings nicht. Gezeigt wird die Schau bis Ende August, eventuell noch etwas länger. Gleich im Anschluss folgt die Sonderschau „Aus besonderem Anlass“ – mit Gläsern, die jede Menge Stadtgeschichte dokumentieren. Für das Projekt erhielt das Glasmuseum sogar ein Preisgeld aus dem Sächsischen Mitmachfonds.

Museumsfest am 3. Juli

Eigentlich hätte man Anfang Juni das 25-jährige Bestehen gefeiert. Am 3. Juni 1996 wurde das Glasmuseum eröffnet. Schon drei Jahre zuvor war der Förderverein gegründet worden, der einen Großteil der Sammlung zusammengetragen hat. Die Jubiläumsfeier soll nun am 3. Juli ab 14 Uhr im Garten der Villa nachgeholt werden. Mit dabei sind die Seifenblasenmacher „Blubberei“, das Knalltheater aus Leipzig und eine Band. Am 4. Juli gibt‘s einen Kulturbrunch im Museumsgarten. Man hoffe sehr, „dass das alles zu den dann geltenden Vorschriften stattfinden darf“, heißt es. Finanziert wird das Jubiläumsfest durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, die damit das ehrenamtliche Engagement im Förderverein würdigen möchte. Etwa von Horst Gramß und Jochen Exner, die von Anfang an dabei sind. Die Museumsleiterin ist für die Unterstützung des Vereins dankbar: So könne man flexibler reagieren, sagt sie. Der Förderverein hat mehr als 80 Mitglieder. Man freue sich über jeden, der mitmachen möchte. In der Glasindustrie tätig gewesen zu sein ist dabei kein Muss. Was zählt, ist die Liebe zum Glas.

Jetzt freut sich Christine Lehmann aber erst einmal auf die Wiedereröffnung. Während der Schließung wurde in den vergangenen Monaten intensiv an der Inventarisierung gearbeitet. Aber so ganz ohne Besucher – da hat eben doch etwas gefehlt.

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 12.06.2021


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
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Aktualisierung: 13.06.2021


Kräftige Farben an den Wänden und die neue Vitrinenbeleuchtung setzen die Ausstellungsstücke im Glasmuseum Weißwasser in Szene. Die lange Schließzeit während der Pandemie wurde nicht nur zur Inventarisierung genutzt, sondern auch, um neue Akzente zu
© Fotos: J. Rehle
Lavendel bringt die Holzformen, die man einst zur Glasherstellung brauchte, besser zur Geltung.
Eine Aura umgibt die Arsall-Vasen vor dem neuen grünen Hintergrund.