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Mehr Einwohner - mehr Probleme VON LUTZ STUCKA
Die Bereitstellung von Stadtgas gewann in Weißwasser zunehmend an Bedeutung. Immer mehr Haushalte benutzten Gas zum Heizen und zum Kochen. Auch die örtlichen Glasbetriebe, die durch eine separate Leitung mit Generator- oder Wassergas für höhere Temperaturen versorgt wurden, erhöhten ihren Verbrauch.
Hier war der Projektbeschreibung nach vorgesehen: »Die flüssigen Bestandteile werden durch ein noch geheim gehaltenes, zum Patent angemeldetes, aber nach den Angaben der Erfinder äußerst billiges chemisches Produkt so verändert, dass sie den Niederschlagswässern beigefügt werden können. Die festen Bestandteile und die abgeschiedenen organischen Stoffe werden nun, und das ist das Wesentliche an der Erfindung, in großen Retorten erhitzt. Dabei entsteht ein Leuchtgas, das wesentlich besser ist als das von unserer Gasanstalt gelieferte. Die Berechnungen ergeben, dass das Gasquantum, das aus den Fäkalien von etwa zehntausend Einwohnern erzeugt werden kann, etwa 75 000 bis 80 000 Kubikmeter pro Tag ergeben dürfte. Dieses Quantum kann ungefähr genügen, um sämtliche Wohnungen in Weißwasser zu beleuchten und außerdem 22 bis 25 Glasöfen zu heizen. Die Kosten der Anlage belaufen sich auf etwa 500 000 Mark. Wenn unsere Hütten sich entschließen, ihre Öfen mit dem neuen Gas zu heizen, so könnte das für jede Wohnung zum Kochen und zur Beleuchtung nötige Gas gratis abgegeben werden.«
Der Gemeinderatsvorsitzende Rummert gab jedoch zu verstehen: »So verlockend das neue Projekt uns erscheint, so möchten wir doch unsere Herren Gemeindevertreter bitten, nicht außer Acht zu lassen, welche Folgen ein Streik der Rohstofflieferanten hätte. Allerdings länger als zwei bis drei Tage könnten sich es die Lieferanten wohl nicht verkneifen, auf den großen Gewinn ihrer Tätigkeit zu verzichten.'' Obwohl so attraktiv, ausgeführt wurde dieses Projekt jedoch nicht.
Auch war die beschwerliche Handarbeit durch die Aufstellung dieser neuen Großkammeröfen mit modernen Anlagen wie Kühl-, Wasch- und Reinigungsapparate, weitgehend ersetzt worden. Die bei der Gasherstellung anfallenden Nebenprodukte wie Teer und Teeröle wurden ebenfalls vergast. Durch Luftzufuhr entstand ein Brennstoff, welcher sich durch Entzünden zum Antrieb eines Gasmotors nach dem System Nicolaus Otto eignete. Dieser Motor trieb einen Elektro-Generator an. Auch das in kleinen Mengen hergestellte Braunkohlengas genügte für den Gasmotor.
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