Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
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Gläser aus Weißwasser erobern die Welt
Stölzle Lausitz produziert dort, wo Josef Schweig vor 131 Jahren die damals dritte Glashütte der Stadt begründete.

Von SABINE LARBIG
 


Stölzle Lausitz feierte im vorigen Mai mit seinen rund 400 Mitarbeitern sowie geladenen Gästen aus dem In- und Ausland das 130-jährige Jubiläum des Produktionsstandortes Weißwasser. Der Standort ist historisch. Denn da, wo heute moderne Produktionshallen, Lager und ein Werksverkaufsshop sind, hatte Josef Schweig bereits 1889 eine Glashütte errichten lassen. Es war damals die dritte von später insgesamt elf Glashütten in Weißwasser, die der Stadt zu weltweitem Ruhm als Glasmacherstadt verhalfen. Dass noch heute in Weißwasser Glas von Weltruf produziert wird, ist Stölzle Lausitz zu verdanken. Das Unternehmen betreibt seit 1996 die letzte verbliebene Glasfabrik in der Traditionsstadt Weißwasser.

Dass sich der Neuzugang innerhalb der Unternehmensgruppe zu einer Erfolgsstory entwickelt, hatte bei der Übernahme wohl kaum jemand geglaubt. Allenfalls war es ein Wunsch der neuen Firmeneigentümer, die bislang rund 40 Millionen Euro in die Produktion, ein neues Lager, die Logistik oder die Glasveredelung am Standort Weißwasser investierten.

Was wir damals vorfanden, war eine Fabrik, bei der die Technik und Produktionslinien unzureichend funktionierten. Im ersten Jahr wussten wir nicht, wie wir die Löhne für die 150 Mitarbeiter zahlen sollen. Aber die Menschen waren sehr gut ausgebildet, engagiert und fleißig“, erinnert sich Geschäftsführer Johann Nagl. Derartige Probleme gibt es längst nicht mehr. Obgleich Schwierigkeiten, wie der Schmelzwannenbruch im August 2019 und der damit verbundene kurzzeitige Produktionsausfall, natürlich nicht auszuschließen sind. „Die Wanne wird diesen Sommer ausgetauscht. Das bedeutet eine Investition von weiteren 2,5 Millionen Euro.“

Doch um im hart umkämpften Markt konkurrenzfähig zu bleiben, muss beim Stielglas-Hersteller alles wie am Schnürchen laufen. Auch die Perfektionierung der Technologien für Herstellung und Veredelung, insbesondere bei Kelchgläsern. Die leichten und ästhetischen Trinkgläser aus Kristallglas wirken durch die Technik des Ziehens ohne Nähte und Ansätze wie handgemacht und mundgeblasen. Außerdem sind sie weniger bruchanfällig. Vorteile, die insbesondere Kunden aus Gastronomie und Hotellerie, Fluggesellschaften und Schifffahrtslinien in 120 Ländern zu schätzen wissen. Dies hat zur Folge, dass inzwischen täglich 100.000 bis 130.000 Gläser, das sind etwa 40 Millionen pro Jahr, bei Stölzle Lausitz in Weißwasser produziert und in die Welt versandt werden.

„Es ist nicht so einfach, heute noch neue, interessante und moderne Formen und Designs zu kreieren und zu produzieren“, weiß Johann Nagl. Doch bis heute schafft Stölzle den Spagat, für verschiedene Geschmäcker die richtigen Gläser bieten zu können und das Zusammenspiel von Ästethetik und Funktionalität zu wahren.

Rund 20 Glasserien, von klassisch bis modern, hat das Unternehmen im Angebot. Darunter auch die Serie „Power“, die 2018 zwei Designpreise erhielt. „Trotzdem versuchen wir natürlich immer wieder, was Neues zu finden und uns vom Markt abzuheben“, erklärt Johann Nagl. Der Geschäftsführer weiß, dass extravagante Formen, kombiniert mit Bruchfestigkeit, große technische Leistungen erfordern, ohne zu wissen, ob ein neues Glas oder eine neue Serie gut vom Markt angenommen wird. Dennoch gehen die Weißwasseraner das Thema Weiterentwicklung konsequent an. So wird in diesem Jahr eine neue private Labelserie für spezielle Kunden aufgelegt. „Außerdem planen wir eine eigene neue Serie, die noch mehr in Richtung Eleganz geht“, blickt Johann Nagl voraus.

Da Kundenwünsche und Funktionalität statt Designerideen heute die Entwicklung beeinflussen, sind gut qualifiziertes Personal sowie immer effizientere Maschinen und Produktionslinien nötig. „Trotz all dieser Herausforderungen, großer Konkurrenz und eines immensen Preiskampfes weltweit steht die Fabrik hier in Weißwasser hervorragend da. Wir haben 2019 den besten Umsatz aller Zeiten gemacht und sehen für den Standort große Zukunfts-Chancen. Denn wir machen fantastische funktionelle und elegante Gläser“, sagt der Geschäftsführer.

„Um am Erfolg festhalten zu können, müssen wir aber weiter aktiv und innovativ sein und investieren. Doch wir sind Teil eines starken, weltweit und in verschiedenen Branchen agierenden Unternehmensverbundes. Dies gibt Stölzle Lausitz in Weißwasser nicht nur Rückhalt, sondern sichert die Zukunft des Standortes.“
 

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, 11.01.2020


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Aktualisierung: 16.01.2020


Jan Knöfel (48) ist einer von 400 Mitarbeitern bei Stölzle Lausitz in Weißwasser. Das Unternehmen produziert jährlich rund 40 Millionen Trinkgläser, vorrangig für Kunden aus den Sparten Gastronomie, Hotellerie, Fluggesellschaften und Schifffahrtslinien.
Foto: St. Fuessel