Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
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Provinztheater vom Feinsten
Weißwasser ist besonders und soll es bleiben. Entdeckungen und Gedanken zu einer Stadt zwischen den Welten.

Von Gregor Schneider



„Es ist vorbei, bye, bye Junimond ...“ klagt eine treffende Liedzeile von Rio Reiser. Anders gesagt: Der Vorhang ist gefallen. Weißwasser war mit dem Theaterprojekt „Modellfall Weißwasser“ kürzlich an zwei Wochenenden bundesweit beachtete Bühne im Rahmen des Jubiläums „100 Jahre Bauhaus“. Jetzt ist Schluss.

Wagenfeld und Neufert sind wieder abgereist. Was war los? Vor allem gab es viel zu entdecken, an Orten, die üblicherweise nicht oder nicht mehr ohne Weiteres zugänglich sind. Sie umwehte für einen Moment die in einem der Lieder besungene Magie. Die sieben Orte und die bemerkenswerte Geschichte der Stadt wurden mithilfe vieler Aktiver und vieler großer und kleiner Aktionen zum Thema. Woher kommen wir, was war, was ist und was wird sein? Es war ein überraschend anderes Erlebnis.

Jetzt stehen wir vor dem „Scherbenhaufen“ dieser Theaterreise, bei der zwangsläufig Welten aufeinandertrafen. Die, die dabei waren, waren zumeist begeistert. Auch wenn nicht alles in gewohnter Weise verlief. Andere nutzten jene Gelegenheit, eine von Vielen getragene Aktion madig zu machen: Irgendwelche Künstler hätten Steuergelder verschwendet, Einheimische ausgenutzt und die Stadt und ihre Einwohner durch den Kakao gezogen. Und bestimmt noch vieles mehr. Da wird nicht das Bemühen honoriert, sondern lieber in die Wade gebissen. Provinztheater, erster Akt: Man unterstelle vorneweg, dass die Gelder völlig fehlgeleitet sind, anders viel besser hätten investiert werden können und außerdem so mancher sich eine goldene Nase verdient habe. So kommt Stimmung auf. Provinztheater, zweiter Akt: Gegen Menschen, die auf ihre Weise etwas bewegen wollen, werden Gerüchte gestreut und Missgunst gesät. Zudem: Man selbst wüsste es ja besser, doch mit verschränkten Armen lässt sich‘s besser meckern. Provinztheater, dritter und letzter Akt: Da haben über Monate viele Freiwillige gewerkelt und geprobt und Spaß gehabt; Weißwasser wird als Stadt wahrgenommen, in der „etwas geht“. Doch es nützt alles nichts, es war nicht recht, die Wade gehört gebissen!

Egal, ob man selbst dabei war, oder die Beißlust bloß vom Hörensagen hat – das obligatorische Haar in der Suppe muss den Weißwasseraner Himmel trüben. Das ist der eigentliche „Modellfall Weißwasser“ – Tradition, die verpflichtet. Es ist wohl nur eine kleine, aber rührige Gruppe, die das ihre tut, immer wieder trübende Aspekte zu finden und auszubreiten. Dabei offenbart sich manch wahres Gesicht. Die Provinzposse obendrauf: Wann krempeln „jene welche“ die Ärmel hoch und lassen sich an eigenen Taten messen?

Zurück zum Theaterprojekt. Was bleibt? Einerseits Orte wie die Glasfachschule, das Volkshaus, die „Rote Kuppe“ und die Bauhütte, für die es schön wäre, wenn aus den Keimlingen des Projektes Neues – Zukunft – entstünde. Andererseits bleibt viel Wohlwollen von vielen Weißwasseranern und auswärtigen Besuchern, die erstaunt und angetan waren, was hier in der Provinz passiert.

Sind wir mal gespannt, was als Nächstes kommt und wer dann am Ruder steht. In guter Tradition möge wieder vieles dabei sein, an dem sich der Kleingeist das Maul zerreißen kann.

Unser Autor Gregor Schneider ist gebürtiger Weißwasseraner und Rückkehrer. Der Stadtplaner begleitet aktiv die Transformation der Heimatregion. Hier äußert er seine privaten Gedanken zum Stadtgeschehen.


Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 08.07.2019


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Aktualisierung:
10.07.2019


 

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Foto: G. Menzel