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Ein würdiger Platz für den Glasmacher

VON RENATE WEIß
 


 
 Gravierte Fenster sind nun im Rathaus von Weißwasser zu sehen. Sie schärfen den Blick für die Geschichte der Glasindustrie.

„Jetzt kommt der Teil, der komplizierter ist, als alles andere vorher“, so Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) am Freitagvormittag im Treppenhaus des Ratshauses. Er spielt damit auf das an, was gleich folgen wird: eine Enthüllung. „Man hat mir eingeredet, wir brauchen nur gemeinsam ziehen“, so Pötzsch. Und tatsächlich, schnell ist die Fenstergravur eines Glasmachers unverhüllt. Dieser hat nun im Rathaus von Weißwasser seinen würdigen Platz gefunden, findet Anne Petrick. Das Mitglied der Denkmalkommission lässt bei einem kleinen Festakt, zu dem erstaunlich viele Gäste gekommen sind, die Vorgeschichte des Umzugs Revue passieren. Denn der Weg war doch um einiges länger und schwieriger als die Enthüllung.

Anne Petrick fängt bei den drei Männern an, die für dieses Kunstwerk verantwortlich zeichneten. Und das hat aus ihrer Sicht einen guten Grund. „Zukunft braucht ein Fundament. Dieses Fundament ist unsere Vergangenheit und Geschichte“, sagt die Inhaberin eines Planungsbüros. Die Fenstergravuren wurden für die Belichtung des Treppenhauses der Betriebsberufsschule Reinhold Greiner in der Jahnstraße angefertigt. Sie bestanden aus neun Glasscheiben mit einer Umrahmung aus farbigem Antikglas. Der Grundstein für die Schule war 1950 gelegt worden.

Friedrich Bundtzen, Alfred Görner und Konrad Tag haben nicht nur beim Glasmacher ihre Spuren in Weißwasser hinterlassen. Sie haben ihr Können als Glasgestalter, -schleifer und -graveur unter Beweis gestellt. Bundtzen und Görner entwarfen 1950 die Fenster. Tag und Görner setzten die Arbeit 1950/51 in die Tat um, erinnert Anne Petrick. Derweil der Glasbläser zu neuem Leben erweckt wird, warten die ihn einst umrahmenden Farbgläser auf Wiederentdeckung. „Noch sind sie eingelagert“, so Anne Petrick.

Eingelagert war auch der Glasbläser, nachdem er im Frühjahr 2014 im Gebäude der Jahnstraße abgebaut werden musste. Da hieß das schon längst nicht mehr Betriebsberufsschule sondern war zum Beruflichen Schulzentrum (BSZ) geworden. Von 200 Glasmacher- und 50 Veredlungslehrlingen wie anno 1951 kann dort keine Rede mehr sein. Holz- und Metalltechnik, Sozialassistenz und anderes mehr stehen nun im Fokus.

Und doch sollte der Glasbläser nach der Sanierung zurück in seine Heimstätte. Erste Pläne fürs Foyer des BSZ wurden gemacht und waren dann doch Makulatur. „Guter Rat war nun gefragt. Für uns als Denkmalkommission war es wichtig, diesen Platz an einem wichtigen Ort in Weißwasser zu finden, um die Erschaffer dieses Kunstwerkes zu würdigen und ein Stück Geschichte von Weißwasser wieder lebendig zu machen“, erzählt Anne Petrick. Nach Schulen und Bibliothek fiel der Fokus aufs Rathaus. „Anne Petrick ist der spiritus rector“, klärt Karl-Heinz Melcher, Leiter der Kommission auf.

Die entsprechende Wand im Rathaus war bald gefunden. „Man muss ja Brandschutzsachen bedenken. Eigentlich dürften heute hier nicht mal die Tische stehen, von uns ganz zu schweigen“, deutet OB Torsten Pötzsch nur mal eins der Themen an. Sicherheitsabstände, Befestigung, Statik und nicht zuletzt die Beleuchtung waren zu klären. Erste Versuche mit einer Hinterglasbeleuchtung ergaben wunderbar Konturen, aber nur wenn man im Winkel von 45 Grad vor den Scheiben stand. Unterstützung gab es von Susanne Brenninkmeijer, Professorin für Kunstlichtdesign an der Hochschule Düsseldorf.

Last but not least stand die Frage des Geldes. Ein Spendenaufruf legte den Grundstock. Dabei kamen rund 1300 Euro zusammen. Rund 4800 Euro steuerte das Landesprogramm für Denkmalpflege bei. Der „Rest“ zu den Gesamtkosten von rund 13 000 Euro kam aus dem städtischen Haushalt.

„Wir als Weißwasseraner können mächtig stolz sein auf unsere einzigartige Geschichte“, so Anne Petrick. Diese erlebte einen massiven Umbruch. Doch es gebe eben auch wieder ein Unternehmen, das weltweit seine Produkte unter „Made in Weißwasser“ verkauft. Und Torsten Pötzsch macht in diesem Zusammenhang ein bisschen Hoffnung: „Vielleicht gibt es auch bald einen zweiten Ort, an dem wieder Glas geschmolzen wird.“ Nach dem Forum Lausitz am Donnerstag habe man diesbezüglich bis in die Nacht hinein geredet und Ideen besprochen, deutet das Stadtoberhaupt gegenüber der RUNDSCHAU an.


Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 10.03.2018


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Aktualisierung: 10.03.2018


 

Der Glasmacher hat seinen neuen Platz im Rathaus von Weißwasser gefunden. Er ist neben dem Eingang zum Zimmer des Oberbürgermeisters zu finden. Foto: R. Weiß
 
 
 
 
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