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Weißwassers Museum hat eine neue Leiterin:
Abschied und Neuanfang im Glasmuseum

 

Von Christian Köhler


Christine Lehmann folgt auf Elvira Rauch. Sie geht in den Ruhestand. Die Aufgaben bleiben eine Herausforderung.

Seit elf Jahren ist Elvira Rauch die gute Seele des Glasmuseums in Weißwasser. Die Diplom-Kristallographin hat die Leitung des Museums 2008 übernommen, ist seither neben dem Förderverein für die Geschicke des Hauses an der Forster Straße in Weißwasser verantwortlich. „Es hat mir große Freude bereitet“, sagt sie, „auch wenn es oft einen riesen Berg an Arbeit bedeutet hat.“

Ab 1. Oktober ist Elvira Rauch offiziell im Ruhestand. Bis dahin arbeitet sie ihre Nachfolgerin ein. Christine Lehmann ist seit dem 1. September in das kleine Museumsbüro eingezogen. In Weißwasser ist sie spätestens seit dem Bauhaus-Projekt „Modellfall Weißwasser“ keine Unbekannte mehr. „Wir sind froh, dass wir sie für die Arbeit im Museum gewinnen konnten“, sagt Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext). Immerhin, so berichtet er, habe die 40-Jährige Rückkehrerin Angebote, etwa aus Halle, ausgeschlagen und sich für das Glasmuseum in ihrer Heimatstadt entschieden.

Dort ist sie seit 2016 Mitglied im Förderverein – der sicher froh ist, ein junges Mitglied gewonnen zu haben. Gemeinsam mit Horst Gramß hat Christine Lehmann bereits eine Ausstellung im Bauhausjahr 2019 im Weißwasseraner Museum auf die Beine gestellt.

Dass das Museum überhaupt inzwischen eine große Anerkennung in Ostsachsen erhalten hat, das ist das Werk des Fördervereins und von Elvira Rauch. „Ich erinnere mich an viele großartige Ausstellungen“, sagt die Fast-Ruheständlerin, „die maßgeblich zum Museum, wie es heute ist, beigetragen haben.“ Da sind Höhepunkte nicht nur die Wagenfeld-Ausstellungen sowie die Ernennung des Bauhaus-Designers Wilhelm Wagenfeld zum zweiten Ehrenbürger der Stadt nennenswert, sondern auch Projektausstellungen, die auf den ersten Blick nichts mit Glas zu tun haben. Etwa die Eishockey-Ausstellung von Klaus Hirche – die unter anderem die Gründung des Eissports in Weißwasser aus den Reihen der Glasarbeiter thematisierte. „Auch meine erste große Ausstellung über Dorothea von Philipsborn war ein großer Meilenstein für mich“, sagt Elvira Rauch.

Sie ist es auch, die eine Kooperation mit dem Landau Gymnasium geschlossen hat, dessen Ziel es ist, die Schüler für die Geschichte der Stadt und der Industrie zu begeistern. Überhaupt ist Netzwerkarbeit ein Schlagwort, dem sich auch das Museum stellen muss. In der jüngsten Vergangenheit etwa ist die Zusammenarbeit mit dem Muskauer Faltenbogen intensiviert worden. Das soll weiter fortgesetzt werden, denn die Rohstoffgeschichte hängt unmittelbar mit der Glasindustrie von Weißwasser zusammen.

„Nun möchte ich erst einmal das angehen, was bei mir zu Hause liegen geblieben ist“, sagt Elvira Rauch. Und dann will sie dem Museum ehrenamtlich weiter zur Seite stehen. Immerhin ist sie mit der Stadt als ehemalige Arbeiterin in der Glasindustrie seit 1977 verbunden. In Tätigkeiten bei der WTW in Bad Muskau, den Fernsehröhrenwerk in Friedrichshain oder aber in der „Einheit“ in Weißwasser hat sie die Facetten der Glasproduktion kennengelernt.

Dennoch: Die Herausforderung, die schon Elvira Rauch als Leiterin beschäftigt hat, kommt auch auf Christine Lehmann zu. „Es geht darum, das Museum weiter zu professionalisieren“, gibt die neue Leiterin zu verstehen. Schließlich ist das Museum 1996 von ehemaligen Glasarbeitern aus der Taufe gehoben worden, die zunächst wenig von Museumsarbeit verstanden haben. Fast alles haben sich die Mitglieder selbst angeeignet. Doch auf der Stelle stehen, das will weder der Verein noch die Museumsleitung. Deshalb gilt es weiterhin, den umfangreichen Bestand von über 20 000 Einzelstücken digital zu erfassen. „Es ist wichtig, dass das Wissen nicht verloren geht“, sagt Christine Lehmann.

Denn verstärkt in den vergangenen Jahren erreichen das Museum Anfragen aus der gesamten Bundesrepublik. In Weißwasser nämlich gibt es das Wissen, die Kompetenz für Glasverarbeitung, Schliffe oder Design, was anderswo fehlt. „Wir haben ferner einen großen Bibliotheksbestand, der aufgearbeitet werden muss“, wissen beide Frauen. Das Problem: Es fehlt eigentlich an Personal, „denn all das macht man nicht nebenbei“, schätzt Christine Lehmann ein. Ihr größter Wunsch ist es, die regionale Wirtschaft – etwa die Stölzle Lausitz GmbH – noch stärker mit dem Museum zu verbinden. „Und der Traum ist es, einmal in der Telux den Glasverarbeitungsprozess zu veranschaulichen“, sagt sie. Dafür aber ist ein erster Anlauf gescheitert – wie so oft fehlt es an Geld.

Trotzdem: Über das Erreichte können Elvira Rauch und der Förderverein stolz sein. Sie ist sich sicher, dass Christine Lehmann ihre Arbeit gut weiterführt – allen Herausforderungen zum Trotz.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 06.09.2019


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
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Aktualisierung:
10.09.2019


 

Generationswechsel: Elvira Rauch (l.) vom Glasmuseum verlässt die Einrichtung. Christine Lehmann wird neue Chefin im Glasmuseum.
Foto: J. Rehle