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Weißwasser? Glasmuseum Weißwasser ! |
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Laudatio anlässlich der Eröffnung der Sonderausstellung "Ansichten in Quarz - Gotthard-Glas" VON HANS SCHAEFER Sicher gehe ich nicht fehl in der Annahme, dass Sie alle die Sendereihe das Bayrischen Fernsehfunks kennen: „Kunst und Krempel“. Fernsehzuschauer aller Klassen und Schichten erscheinen mit verschiedensten Objekten vor einem Juroren-Team und legen irgendwelche Stücke aus dem Familienbesitz zur Bewertung vor. Meist sind es diverse Erbstücke, die noch auf Tante Amalia und/oder Onkel Päula zurückgehen. Ich habe nicht all zu viele Sendungen gesehen und führte auch keine Strichliste, aber die Häufigkeit mit der Gallé- oder Arsall-Gläser vorgelegt werden, fällt doch irgendwie auf. Weiter fällt auf, dass diese Gläser stets als „Kunst“ klassifiziert werden und als Schätzwert 60 bis 80 € je cm Höhe angegeben werden. Mit diesen Glaserzeugnissen beschäftigt sich unsere heute zu eröffnende Sonderausstellung als Personalausstellung von Herrn Gotthard Petrick, Glasingenieur, hervorgegangen aus der Ingenieurschule für Glastechnik Weißwasser. Für den glastechnischen Teil seines Studiums war ich dort sein Lehrer! Die ältesten Wurzeln dieser Fertigungstechnik liegen in Elsaß-Lothringen und datieren aus dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. Erfindungsgemäß hat Emile Gallé (1846-1904) Hohlgläser gefertigt, vorzugsweise Vasen, Krüge, Kelche, in mehrfachem Farbüberfang, den er nachher partiell wieder abätzte und dazu in den bleibenden Stellen mit Decklack schützte. Sagen Sie jetzt nicht: „Überfang und Ätzen sind doch bekannt!“ Stimmt! Aber gerade diese Kombination gibt einen dialektischen Qualitätsumschlag und mit vollem Recht nannte Gallé seine Kreation „Art nouveau“ (neue Kunst). Erlauben Sie hier eine kurze Abblende! Bei genauerem kennen lernen erweist sich Elsaß-Lothringen für den aufmerksamen völkischen Beobachter als hochinteressant: Geist und Handwerk aus Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz mischten sich hier zu immer wieder überraschenden Lösungen, übrigens …, auch der gläserne Briefbeschwerer kommt von dort.! Im Zuge einer Rückwanderung von Glasmachern nach Deutschland kommt das neue Produkt und seine Fertigungstechnik auch in die Lausitz und wird in der Aktienhütte (später OLG) in „französischer Manier“ gefertigt. Am 10.05.1918 erfolgte der Eintrag eines geschützten Warenzeichens unter „Arsall“ (Ars=Kunst,. All=Allemagne/Deutschland). Konkret waren es die Familien RIGOT und VETTE, die diese Kunst aus der Hütte Münzthal/Lothringen (seit 1767 „La Verrerie Royale de Saint Louis) in die Oberlausitz brachten. Allein 6 Kinder der Familie Vette kamen 1913 nach Weißwasser. Das sind aber nicht die einzigen französischen Familiennamen, die sich in unserer Gegend wiederfanden:
Ein besonderer Höhepunkt war 1929 die Fahrtunterbrechung des Ägyptischen Königs in Weißwasser bei dessen Fahrt nach Muskau. Er erhielt als besonderes Geschenk eine brennende Arsall-Lampe mit Widmung überreicht; man schrieb Sonntag, 16.06.1929. Zuvor soll zur Übung ein Vorausexemplar dieser Lampe gefertigt worden sein.! Am 25.10.1929, also im gleichen Jahre, versetzte der berüchtigte Schwarze Freitag der Weltwirtschaft einen schweren Schlag und die Arsall-Werkstatt der Aktienhütte wurde geschlossen. Von den dort Beteiligten konnte ich nur noch 3 Kollegen kennen lernen: Paul Bittner, Max Schuster und František Strobl. Doch bisweilen passieren noch Zeichen und Wunder…: 77 Jahre später eröffnet Gotthard Petrick, seit 2006 selbständiger Handwerker, wieder eine Arsall-Werkstatt, das Markenzeichen ist abgelaufen. Das hüttenfertige Rohglas kommt aus ganz Europa. Die klassischen Überfangtechniken mit Trichter bzw. Zapfen leben wieder auf. Dazu kommen Glaskrösel und -puder in ca. 200 verschiedenen Farben und Tönungen. Hauptlieferländer der hüttenfertigen Rohgläser sind Deutschland, Polen und Österreich. Typisch ist die Fertigung als 4-Schichten-Glas (Grundglas plus 3 Farbschichten übereinander). In der ersten Zeit als selbständiger Handwerker arbeitet er mit der Designerin Sabine Gutjahr zusammen, heute entwirft für ihn Monika Janietz-Herrmann. Und an eine irgendwann fällige Stabübergaben denkt er auch: Gezielt fördert er seinen Interessenten: Enkel ESKIL PANGRATZ! Und, meine Damen und Herren, vergessen Sie nicht: Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des FEUERS! Quelle: Glasmuseum Weißwasser, 05.09.2011
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