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Weißwasseraner besuchen Nachfahren von Schweig

Von Sabine Larbig



Günter Segger, Vorsitzender der Denkmalkommission, setzte sich für die Wiederherstellung des jüdischen Friedhofs ein. Nun waren er und andere in Israel.

Kürzlich weilten Hagen Kittan, Günter Segger und Uwe Mühle aus Weißwasser sowie Heiner Präkelt aus Krauschwitz in Haifa und Jerusalem. Eingeladen hatte sie Ingrid Kluger-Kellermann, die Enkeltochter des Weißwasser Glasindustriellen und Begründers der Oberlausitzer Glaswerke, Josef Schweig. Die betagte Dame, die ihren 90. Geburtstag feierte, kennt die Stadt Weißwasser sowie ihre Gäste bestens. Schließlich gehören sie zu jenen Bürgern, die sich als Ehrenamtler und Einwohner auch dafür einsetzten, dass es den Jüdischen Friedhof in Weißwasser wieder gibt. Zudem ist Schweig wegen seiner Verdienste in Weißwasser postum die Ehrenbürgerschaft der Stadt anerkannt worden. Dies und mehr waren Anlässe für persönliche Begegnungen mit Nachfahren von Josef Schweig, zu denen Ingrid Kluger-Kellermann und Yehudit Schweig, Ururenkelin von Josef Schweig, gehören. Sie waren zuletzt im September 2018 in Weißwasser, wo sie auch ihre Gäste offiziell einluden. "Wir haben daraufhin vier Tage in Haifa verbracht, wo Ingrid lebt, und danach bei Yehudit in Jerusalem", erzählt Uwe Mühle. Auf ihrer Reise hätten sie so den Sabbat, den jüdischen Ruhetag, mit seinen Ritualen erlebt. "Das war ähnlich wie beim Abendmahl in der evangelischen Kirche", meint Mühle. Unvergessen seien ihm und seinen Reisebegleitern zudem die Erkundungstouren im Norden von Israel geblieben. "Wir haben den See Genezareth gesehen, einen Abstecher in die Golanhöhen gemacht und nach Jerusalem, am Jordan-Fluss entlang. Natürlich hat ein Besuch der Internationalen Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem ebenfalls zum Programm gehört. Dort sind ja drei Weißwasseraner in der zentralen Ausstellung erwähnt. Außerdem ist die Stadt auf der Karte des Todesmarsches verzeichnet. Und Joseph Tudyka, der Weißwasseraner Hafenmacher, der eine Jüdin rettete, steht im Garten der Gerechten als ausgezeichneter "Gerechter unter den Völkern" auf einer Gedenktafel. Dies zu sehen und nicht nur davon zu hören ist etwas Besonderes. Eindrucksvoll waren für uns aber auch die Rundgänge durch die Altstadt, der Besuch der Grabeskirche und der Klagemauer, die wir gemeinsam mit unserer Gastgeberin unternahmen. "

Überhaupt seien die persönlichen Begegnungen das Schönste gewesen, blickt Mühle zurück. "Für uns als Weißwasseraner ist es sehr wichtig, dass wir den Kontakt zur Familie Schweig und den nächsten Generationen erhalten", bekennt Mühle, der sogar eine Geschenk von Oberbürgermeister Torsten Pötzsch an die Gastgeber überreichen konnte.

Dass Weißwasser und seine Bürger direkten Kontakt zu den Nachfahren von Josef Schweig haben, ist dem einstigen Ortschronisten Werner Schubert zu verdanken. Durch seine unermüdlichen und jahrelangen Recherchen und Forschungsarbeiten über das jüdische Leben in Weißwasser wurden die ersten Kontakte zur Familie Schweig geknüpft. Inzwischen haben Nachfahren Schweigs bereits mehrfach vor Schülern des Landau-Gymnasiums - die auch einen Film über Leben und Wirken Schweigs in Weißwasser erstellten - gesprochen und auf offizielle Einladungen von Oberbürgermeister, Vereinen, Institutionen die Stadt Weißwasser besucht, teilweise im Beisein von Vertretern der jüngsten Schweig-Generationen. Über die Jahre entstanden so auch viele private Kontakte zu Einwohnern von Weißwasser.

1992 wurde eine Straße in Weißwasser nach Josef Schweig benannt. Am 27. September 2006 wurde Josef Schweig Ehrenbürger von Weißwasser. Im Oktober 2010 wurde sein Grab in eine Ehrengrabstätte umgewandelt.

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 05.08.2019


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Aktualisierung:
05.08.2019


 

Mehrfach weilten die Besucher aus Weißwasser bei lngrid Kluger-Kellermann (re., Bildmitte), der Enkelin von Josef Schweig, mit der sie auch ihren 90. Geburtstag im Kreis der Familie mitfeierten. Foto: privat