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Stadtgeschichte:
Die Geschichte des Schweig-Glaswerks in Weißwasser
Dieter Hubatsch hat die 130-jährige Geschichte des Glaswerkes von Joseph Schweig in Weißwasser in einem Buch zusammengefasst. Der Förderverein des Glasmuseums hat es veröffentlicht und komplettiert damit seine Publikationen zur Glasgeschichte.

VON CHRISTIAN KÖHLER


Dieter Hubatsch wohnt eigentlich in Krauschwitz. Dennoch sind er und im Grunde seine halbe Familie mit der Glasindustrie verbunden.
Hubatsch hat nun die mehr als 130-jährige Geschichte eines Glaswerkes in Weißwasser zusammengetragen, welches 1889 von Joseph Schweig gegründet wurde. Joseph Schweig, ein Visionär mit Unternehmergeist und Weitsicht, erkannte frühzeitig das Potenzial, welches in der Glasherstellung verborgen war.

Joseph Schweig verhalf der Glasproduktion in Weißwasser zur Blüte

Der heutige Weißwasseraner Ehrenbürger erwarb zusammen mit zwei Kompagnons das Industriegelände gegenüber des Bahnhofs und baute eine Glashütte mit Gleisanschluss. Es war seinerzeit die dritte Glasfabrik in Weißwasser. Das Heidedörfchen, bisher im Dornröschenschlaf, war durch die Anbindung an die Eisenbahnstrecke Görlitz – Berlin zu einem offenen Tor in die Welt geworden.
Ressourcen für die Glasschmelze in Form von Braunkohle und Glassand waren in und um Weißwasser reichlich vorhanden. Der Einsatz von Braunkohle statt Holz war durch die Entwicklung des Treppenrostgenerators von Siemens möglich geworden. Und so ist auch die Glasindustrie gewachsen.
Mit dem Unternehmen „Oberlausitzer Glashüttenwerk Joseph Schweig & Co.“ begann eine Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält. Seit 131 Jahren werden Glaserzeugnisse produziert, die auf allen Erdteilen bekannt sind und den Markt bestimmen.

Noch heute wird in Weißwasser Glas produziert

Einer der besten Glasdesigner Deutschlands, Wilhelm Wagenfeld, prägte in den 1930er-Jahren durch sein Rautenglas das Gesicht des Unternehmens, berichtet Reiner Keller vom Förderverein des Glasmuseums. Die Glasmarke mutete damals nicht nur futuristisch modern an, sondern sie ist heute noch bekannt. Seine Glaserzeugnisse waren sehr wertgeschätzt und bekamen hohe Auszeichnungen wie auf Ausstellungen in Paris und Mailand.
1920 begann die Firma mit der manuellen Kelchglasfertigung und entwickelte sich in kurzer Zeit zum größten Kelchglashersteller in Europa. Die manuelle Glasfertigung wurde 1992 aus ökonomischen Gründen eingestellt. Das Unternehmen zählt heute unter dem Namen Stölzle Lausitz zu den führenden Glasproduzenten auf dem Gebiet der maschinellen Stielglas- und Becherfertigung, die 1968 begonnen hatte.
„Ich bin neben Ausführungen zu Technik und Technologie auch auf das Leben der Glasmacher beispielsweise in Form von Episoden und Alltagsgeschichten eingegangen“, sagt Dieter Hubatsch. Seine Frau ist übrigens einmal Direktorin des Werkes an der heutigen Berliner Straße in Weißwasser gewesen.

Mehrere Publikationen zur Glasgeschichte in Weißwasser

Der Förderverein hat in jüngerer Zeit neben der Publikation von Dieter Hubatsch weitere herausgegeben. Dazu zählen etwa die von Jochen Exner „Glastour im Muskauer Faltenbogen“ sowie von Horst Gramß „Der Glasdesigner Horst Gramß: Ideen und Entwürfe, die nicht umgesetzt wurden“. Allesamt sind im Glasmuseum Weißwasser verfügbar, berichtet Reiner Keller.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 04.09.2020


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E-Mail:
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Aktualisierung:
08.09.2020


Dieter Hubatsch hat sich mit der Geschichte des heutigen Stölzle Lausitz und einstigen Joseph Schweig Glaswerkes beschäftigt.
© Foto: Ch. Köhler
 
Die Luftaufnahme von Weißwasser aus den 1930er-Jahren zeigt im Vordergrund das einstige Glaswerk von Joseph Schweig. Im Hintergrund ist das einstige Osramwerk und heutige Telux-Gelände zu sehen.
© Foto: Glasmuseum