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Die Brücke zum neuen Job Von Christiane Klein
Für 332 SCD-Beschäftigte
wurde der Fall in die Arbeitslosigkeit durch die Transfergesellschaft
abgebremst. Unter ihrem Dach haben inzwischen 153 einen Job auf dem
ersten Arbeitsmarkt gefunden, 74 weitere haben eine Stelle in Aussicht.
Für die Übrigen läuft die Zeit, denn der Zwischenstopp in der
Transfergesellschaft endet im August dieses Jahres.
33 Jahre Erfahrung in der Glasindustrie hat Klaus Ballack. Fast sein gesamtes Berufsleben hat er im Fernsehglaswerk gearbeitet. Jetzt gilt er als «schwer vermittelbar» . Denn Klaus Ballack ist 52 und hängt an seiner Heimat. «Auf Montage gehen oder wegziehen kommt für mich derzeit nicht infrage» , sagt der Spremberger und hofft, vielleicht doch noch einen neuen Job im Umkreis von 50 Kilometern zu finden. So wie dem Anlagenfahrer geht es vielen der 105 ehemaligen Samsung-Beschäftigten, die derzeit noch in der Transfergesellschaft betreut werden und bis Ende August 90 Prozent ihres früheren Samsung-Nettolohns bekommen. «Etwa 70 Mitarbeiter sind älter als 50 Jahre, viele haben selten an Weiterbildungen teilgenommen, haben eine enge Bindung an ihre Heimat und sind kaum mobil» , beschreibt Anke Kutzer die Vermittlungshemmnisse. Sie ist Projektkoordinatorin in der Transfergesellschaft, in die 332 Samsung-Mitarbeiter am 1. September 2007 gewechselt sind. Dahinter stehen die Berliner Personaltransfer GmbH und ihr Lausitzer Partner, die Wirtschaftsentwicklungs- und Qualifizierungsgesellschaft mbH (Wequa) aus Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz). «Unser oberstes Ziel ist es, die Leute so schnell wie möglich in neue Jobs zu vermitteln» , betont Personalmanager Winfried Schumann von der Wequa. Damit es mit der neuen Stelle rasch klappt, haben die Berater der Transfergesellschaft den Teilnehmern Adressen von Firmen vermittelt, sie bei der Jobsuche begleitet, Unternehmenspräsentationen organisiert, beim Erstellen der Bewerbungsunterlagen geholfen und Weiterbildungen angeboten. Bis zum 20. Juni 2008 läuft beispielsweise noch die Qualifizierung von 17 Lausitzern zu Servicetechnikern für Windkraftanlagen. Außerdem fanden CNC- und Schweißer-Lehrgänge, PC-Schulungen, Gabelstapler-Kurse und mehr statt. Nischensuche am Arbeitsmarkt 153 Lausitzer stehen bereits auf der Erfolgsseite der Bilanz der Transfergesellschaft. Sie haben neue Arbeitsplätze gefunden – unter anderem in der Keulahütte Krauschwitz, im Glaswerk Stölzle in Weißwasser (beides Niederschlesischer Oberlausitzkreis) oder beim Büroartikel-Hersteller Falken in Peitz (Spree-Neiße). Andere sind bei Zeitarbeitsfirmen untergekommen, fünf sogar in die Schweiz gewechselt. Etwa 80 frühere Samsung-Beschäftigte haben eine neue Chance in der Glasmanufaktur Brandenburg (GMB), dem Nachfolge-Unternehmen in Tschernitz, erhalten. Die Liechtensteiner Interfloat Corporation will dort Flachglas für Fotovol taik- und Solarthermieanlagen produzieren. Derzeit gebe es neben festen Arbeitsverhältnissen auch 58 Vorverträge mit der GMB, erklärt Siegfried Backes, Chef der Personaltransfer GmbH. Viele der ehemaligen Samsung-Mitarbeiter haben nicht nur die Angebote der Transfergesellschaft genutzt, sondern auch auf eigene Initiative Stellenanzeigen durchforstet. Insgesamt seien 114 Menschen auf dem regionalen Arbeitsmarkt untergekommen, sagt Backes und meint mit «regional» Entfernungen bis Dresden, Eisenhüttenstadt und Frankfurt (Oder). «Im Moment sieht es so aus, als könnten wir nicht mehr Menschen auf dem örtlichen Arbeitsmarkt unterbringen» , sagt Backes. Und auch Wequa-Geschäftsführer Bernd Rehahn schätzt: «Es werden Leute übrig bleiben, die Ende August noch keine Arbeit haben» – trotz enger Kooperation der Transfergesellschaft mit Behörden wie der Agentur für Arbeit in Cottbus und regionalen Unternehmen. Zur erfolgreichen Suche nach einem neuen Arbeitsplatz gehöre eben auch, «dass die Menschen ihre Kirchturmspitze aus den Augen lassen» , fordert Kutzer mehr Flexibilität und Mobilität. 60 Prozent Vermittlungsquote Am Ende soll in der Bilanz der Transfergesellschaft eine Vermittlungsquote von 60 Prozent stehen. Menschen wie Klaus Ballack wollen nicht zu den übrig gebliebenen Mitarbeitern zählen. Rund 25 Bewerbungen hat er bisher geschrieben, ohne Erfolg. Nun will er eine Schulung zum Kranführer machen und hofft, so seine Chancen zu verbessern. Eines hat der Anlagenfahrer bereits früh bei der Jobsuche lernen müssen: «Man kann sich nicht mehr auf irgendwas festlegen.» Hintergrund Die steigende Nachfrage nach LCD- und Plasma-Fernsehgeräten ließ den Absatz der Tschernitzer Glasteile ab dem Jahr 2000 stark einbrechen. Im Juli vergangenen Jahres gab die Samsung Corning Deutschland GmbH (SCD) schließlich das Aus für ihre Fernsehglas-Produktion im Spree-Neiße-Kreis bekannt. Die SCD hatte das Tschernitzer Werk 1994 übernommen und nach eigenen Angaben für 320 Millionen Euro umgebaut und modernisiert. Gegründet worden war der Betrieb bereits 1984, als Zulieferer für das Berliner Werk für Fernsehelektronik. Dieses ging nach der Wende ebenso an Samsung wie der Lausitzer Betrieb. Das Berliner Werk wurde bereits Ende 2005 stillgelegt. Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Spremberg, vom ... .2008
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