Erstes
Ehrengrab erinnert an Dorothea von Philipsborn
Schon
2003 stand die Frage, wie mit verwaisten Gräbern von Persönlichkeiten künftig
umzugehen ist.
Von Sabine
Larbig
Hans
Schaefer erinnert sich noch genau an die Künstlerin. Als Kind lernte er
sie kennen. Das war 1946, als er im zur Schule umfunktionierten
Dorfgasthof von Trebendorf die sechste Grundschulklasse besuchte. Damals
kamen fast täglich Vertriebene aus Schlesien an. Eines Tages auch drei
Frauen. In seiner Laudatio blickt Schaefer zurück: „Sie fielen mir
sofort auf. Sie waren nicht mehr jung, hatten Hunger und grenzenlose
Verbitterung über ihr Vertriebenenschicksal und Zukunftsangst.“
Diese Frauen waren: Dorothea von Philipsborn, Bildhauerin und einstige
Gutsbesitzerin im schlesischen Groß-Strehlitz, ihre Hauslehrerin und spätere
Gesellschafterin Elisabeth Hein sowie Gutsköchin Gertrud Kahmann. Den
jungen Hans Schaefer und die Künstlerin sollte schnell eine Freundschaft
verbinden, die bis zum Tode von Dorothea von Philipsborn am 31. August
1971 anhielt.
Als langjähriger Bekannter lag es nahe, dass Schaefer die Laudatio zur
Einweihung ihrer Ehrengrabstätte hielt. Manch unbekannte Anekdote wurde
dabei bekannt. Wie jene, dass die heute in Weißwasser lebende und
praktizierende Ärztin für Innere Medizin, Dr. Monika Höfs, als junges Mädchen
für die Plastik „Die Kesse“ einst Modell stand. „Davon legte eine
uns unbekannte Porzellanfabrik sogar eine Kleinstserie auf“, weiß
Schaefer.
Sichtbares Erbe hinterlassen
Mit ihrem Leben und Wirken leistete die Künstlerin Dorothea von
Philipsborn zu Lebzeiten bereits Außergewöhnliches. Ihre Kunstwerke prägen
und schmücken noch heute Weißwasser und die Lausitz. So schuf von
Philipsborn das lebensgroße Kruzifix für das Altarkreuz der Kirche in
Schleife; die erst kürzlich sanierte Seelöwenplastik der Kita „Ulja“
in Weißwasser; die Pelikane an der Mittelschule Krauschwitz oder die
Barbara-Brunnenfigur in Bad Liebenwerda.
„Zu einem Zeitpunkt, als hier alle Menschen hungerten, hat diese großartige
Frau Kunst und Kultur gemacht. Sie riss den Blick der Menschen nach vorn
und ihre Haltung nach oben und gab ihnen so Wegweisung und Zuversicht“,
würdigt Hans Schaefer die Leistungen der Künstlerin. Für ihr Gesamtwerk
erhielt sie bereits 1964 den Carl-Blechen-Preis erster Klasse verliehen.
Ehrengrab für Joseph Tydika
Dass Dorothea von Philipsborn – mit ihren Wegbegleiterinnen, zu denen ab
1950 auch die aus Riga vertriebene Künstlerin Eva-Maria Volck zählte –
auf dem Weißwasseraner Friedhof eine Ehrengrabstätte erhielt, dafür
setzte sich maßgeblich die Denkmalkommission der Stadt Weißwasser ein.
Vorsitzender Günter Segger: „Bereits 2003 stand die Frage, wie mit
verwaisten Grabstätten hervorragender Persönlichkeiten künftig
umzugehen ist. Erarbeitet wurde daher eine Richtlinie für die Zuerkennung
und Unterhaltung von Ehrengräbern.“
Sie ist seit März 2007 in Kraft. Auf Antrag der Denkmalkommission und
Stadtratsbeschluss vom Dezember 2007 erfolgte die Zuerkennung einer
solchen Grabstätte für Dorothea von Philipsborn. Im November wird zudem
ein Ehrengrab für Joseph Tydika eingeweiht.
Quelle:
Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 02.09.2008
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Günter
Segger
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