Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
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Wo Glasgeschichte ein Zuhause hat
Seit 25 Jahren besteht das Glasmuseum Weißwasser – für Gründervater Jochen Exner bis heute eine Herzenssache.

VON CONSTANZE KNAPPE


Es bewegt Jochen Exner noch immer, wenn er im Fundus des Glasmuseums das eine oder andere Teil zur Hand nimmt. Denn jedes einzelne Exponat verkörpert ein Stück Geschichte der Glasindustrie in der Stadt. Der 82-Jährige ist ein Weißwasseraner Urgestein – und der Gründervater des Museums noch dazu. Dieses besteht seit mittlerweile 25 Jahren. Am Sonnabend soll das Jubiläum gefeiert werden.

Mehr als 28 Jahre arbeitete der studierte Ingenieurökonom selber in der Glasindustrie in Weißwasser. Und es traf ihn auch selbst, als mit der Wende ein Großteil der Beschäftigten der Branche in Kurzarbeit oder Vorruhestand geschickt wurden. Die Auflösungserscheinungen seien katastrophal gewesen, erinnert er sich. Deswegen habe ihn in jenen Tagen der damalige Bürgermeister in einem persönlichen Gespräch gebeten, „zu retten, was zu retten ist, bevor alles den Bach runtergeht“. Die Aufgabe, so viel Glas wie möglich sicherzustellen, wurde zu einem Großauftrag, wie sich zeigen sollte. Dabei kamen Jochen Exner seine Beziehungen zu Gott und der Welt zupass. Er kannte in vielen Betrieben der DDR-Glasindustrie, auch in denen, die Haushalts- und Verpackungsglas herstellten, die maßgeblichen Leute – fürs Zusammentragen der späteren Ausstellung zweifellos ein unschätzbarer Vorteil.

Erste Ideen schon zu DDR-Zeiten

Dass Weißwasser ein Museum braucht, darüber war man sich von Anfang an einig. Nur noch nicht darüber, ob es ein Heimat- oder ein Glasmuseum werden soll. Exner war zu jener Zeit Fraktionsvorsitzender der FDP im Stadtrat. Mehrfach beschäftigten sich die Räte mit dem Thema. Im Januar 1993 beschloss der Stadtrat, ein Glasmuseum einzurichten. Daraufhin wurde am 8. Juni des gleichen Jahres der Förderverein Glasmuseum Weißwasser gegründet, dessen erster Vorsitzender Wolfgang Hoyer war. Den Besuchern sollte die Herstellung von Glas und Glaserzeugnissen in verschiedenen Epochen nahegebracht werden. Damit rannte man quasi offene Türen ein. Denn in der Stadt gab es wohl kaum eine Familie, die nicht in irgendeiner Weise mit der Glasindustrie verbunden war.

Die Idee zu einem Museum habe es ja schon zu DDR-Zeiten gegeben, erzählt Jochen Exner. Doch erst habe es an Geld gefehlt und dann kam die Wende dazwischen. Dass der Wunsch in den Neunziger Jahren endlich Wirklichkeit wurde, daran haben viele Leute Anteil. Als Männer der ersten Stunde benennt er Peter Mehlhose, Manfred Hirsch und Ralf Mühle, alles ehemalige Mitarbeiter für Gestaltung, im Hinblick auf die fachliche Ausgestaltung verweist er auf Manfred Simon. Auch Winfried Liebig, Inge Standfuß, Dieter Marschner und Christa Stolze gehörten zu den Gründungsmitgliedern des Vereins. Ebenso wie Hort Gramß, mittlerweile einer der letzten noch lebenden Glasdesigner.

Im Spätherbst 1994 zeigte der Förderverein in der ehemaligen Gelsdorfvilla seine erste Ausstellung. Alles in allem dauerten die Vorbereitungen bis zur Eröffnung des Museums drei Jahre. Der Förderverein kümmerte sich ebenso um Außenfassade, Dach, Malerarbeiten und die Ausstattung der Räume. Die meisten Arbeiten wurden von den Vereinsmitgliedern selbst ausgeführt. In der Summe kamen dabei 40.000 Stunden zusammen – und das freiwillig und ehrenamtlich. Außerdem waren im Rahmen einer AB-Maßnahme Leute am Aufbau des Museums beteiligt, die zu jener Zeit in einer Qualifizierungsgesellschaft in Bad Muskau untergekommen waren.

Frischekur in der Corona-Zeit

Zur Festwoche „444 Jahre Ersterwähnung Weißwasser“ wurde 1996 „ein funktionsfähiges Glasmuseum“ an die Stadt übergeben. Kaum jemand hätte dem Förderverein die Qualität der wissenschaftlichen, gestalterischen und museumspädagogischen Konzeption zugetraut. Ein bisschen stolz ist Jochen Exner heute noch darauf. Seit 1994 festangestellt, wurde der Gründervater des Museums auch dessen erster Leiter. An seinem letzten Arbeitstag, dem 20. September 2000, sei das Museum so weit gewesen, „dass es am Laufen war“, sagt er.

Angetrieben habe ihn damals, etwas für Weißwasser zu tun, blickt Jochen Exner zurück. 2021 hat er noch immer einen engen Bezug zum Glasmuseum. „Wenn man die Verantwortung für das hatte, was da aufgebaut wurde, kann man nicht so einfach loslassen“, begründet er. Deswegen engagiert er sich bis heute im Förderverein, war vor Corona beinahe wöchentlich im Museum.

Längst ist das Glasmuseum über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt und geschätzt, bei Fachleuten und interessierten Laien gleichermaßen. Die Sammlung umfasst gut 20.000 Exponate. Nur ein Bruchteil dessen kann in der Dauer- und den drei bis vier Sonderausstellungen pro Jahr gezeigt werden. Als seine Lieblingsstücke benennt der einstige Museumschef die ganze Wagenfeld-Palette, die Arsall-Gläser oder die handwerklichen Arbeiten von Georg Richter mit seinem Facettenschliff auf Kelchgläsern. Und nicht zu vergessen: der Fernsehturm aus Glas. Ein Teil dieser Objekte ist in neugestalteten Räumen zu sehen, welche in der Corona bedingten monatelangen Schließzeit eine farbliche wie auch inhaltliche Frischekur erfuhren. Der Förderverein hat es möglich gemacht.

Nicht unerwähnt lassen möchte Jochen Exner den Glasmacherbrunnen vor dem Bahnhof. Er wurde 1922 in Erinnerung an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs in Betrieb genommen, zu DDR-Zeiten jedoch abgerissen. Da es sich bei den Gefallenen zumeist um Glasmacher handelte, beschloss man im Förderverein, den Brunnen wieder zu errichten. 2002 wurde er eingeweiht.

Besonders am Herzen liegt Jochen Exner, dass und auch wie es mit der Ruine der Gelsdorfhütte weitergeht. „Vielleicht kann man sie so erhalten, dass vom Grundriss her erkennbar ist, dass es eine Hütte war und wie sie funktioniert hat“, wünscht er sich. Einen begehbaren Hafenofen könnte er sich zum Beispiel vorstellen. Ebenfalls „eine Herkules-Aufgabe“, wie sie der Verein bereits mit dem Glasmuseum und dem Glasmacherbrunnen vollbracht hat.

Das Museumsfest zum 25-jährigen Bestehen des Glasmuseums Weißwasser wird durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen ermöglicht – auch als ein Dankeschön für den unermüdlichen ehrenamtlichen Einsatz von Jochen Exner und seinen Mitstreitern im Förderverein.

So wird am Wochenende gefeiert

Am Wochenende wird im Garten des Glasmuseums auf der Forster Straße ein Museumsfest gefeiert.

Sonnabend, 3. Juli, 14 bis 21 Uhr: 15 Uhr Knalltheater Leipzig spielt „Hans im Glück“, 16 Uhr „Blubberey“ Riesenseifenblasen und Musik, 17 Uhr Grußworte des Oberbürgermeisters Torsten Pötzsch und des Vorstands des Fördervereins, gegen 18 Uhr Band The Coins. Für das kulinarische Wohlergehen ist ebenfalls gesorgt.

Sonntag, 4. Juli, ab 10.30 Uhr:Kulturbrunch mit Weißwurstfrühstück, Kaiserschmarrn und Live-Musik.An beiden Tagen kann das Glasmuseum kostenlos besichtigt werden – unter Einhaltung der Bestimmungen der Corona-Schutzverordnung.


Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 01.07.2021


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail:
info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 01.07
.2021


Jochen Exner, Gründervater und ehemaliger Chef des Glasmuseums Weißwasser, stöbert im Fundus „100 Jahre Bärenhütte Weißwasser“. So manche Rarität konnte er für die Nachwelt sichern – als stumme Zeugen der Geschichte der Glasindustrie in der
 © Foto: J. Rehle
Gründungsmitglied Horst Gramß ist einer der letzten noch lebenden Glasdesigner in Weißwasser. Die Sonderausstellung zu seinem 85. Geburtstag wurde wegen Corona verlängert.
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