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Streng gehütetes
Geheimnis ist gelüftet
Am 1. September Produktionsstart für Solar-Flachglas in Tschernitz /
Wannenbau beginnt
VON BEATE
MÖSCHL
Gestern
ist in Potsdam das Geheimnis um den neuen Großinvestor in Tschernitz
(Spree-Neiße) gelüftet worden. Neun Monate war es streng gehütet
worden. Wie die RUNDSCHAU nach eigenen Recherchen am Montag berichtete,
investiert die Liechtensteiner Interfloat Corporation 50 Millionen Euro in
ein Werk zur Produktion von Flachglas für die Solarindustrie. Land und
Bund unterstützen das Projekt mit Fördermitteln von rund zehn Millionen
Euro.
Die
Pressekonferenz im Industrieclub in Potsdam ist gut besucht. Die
Investoren, die flankiert vom brandenburgischen Wirtschaftsminister
Ulrich Junghanns (CDU) und dem Geschäftsführer der Zukunftsagentur
Brandenburg (ZAB), Klaus-Peter Schulze, ihr Projekt vorstellen, wirken
gelöst. Sie bringen mit der Glasmanufaktur Brandenburg GmbH (GMB) in
Tschernitz die erste produktive Investition eines Liechtensteiner
Unternehmens im Land Brandenburg zum Laufen.
Sehr sportlich unterwegs
«Die Fundamente für die neue Schmelzwanne sind gegossen, in den nächsten
Tagen beginnt der Aufbau der Anlagen» , berichtet Ulrich Frei, Geschäftsführer
der Interfloat Corporation. «Wir sind sehr sportlich unterwegs» , fügt
er hinzu: Bereits am 1. September soll die Produktion anlaufen. 50
Millionen Euro investiert das seit 26 Jahren in der Solarbranche tätige
Flachglas-Vertriebsunternehmen mit zehn Beschäftigten in seine erste
eigene Produktionsstätte.
Bislang habe Interfloat
Flachglas für Fotovoltaik- und Solarthermie-Anlagen aus den USA
importiert. Doch seit zwei, drei Jahren seien die Liechtensteiner auf
Standortsuche für eine eigene Produktion in Europa, erläutert Frei.
Ziel
sei, mehr Kapazitäten zu schaffen, um die steigende Nachfrage nach
Solarglas zu bedienen. Dabei sollen eigene Forschungsergebnisse und
Patente umgesetzt werden, um innovative Produkte mit höchster Qualität
zur Verfügung zu stellen, «so wie sie der Markt braucht, mit hoher
Leistungsfähigkeit und Haltbarkeit» . Frei verspricht, in Tschernitz die
weltweit modernste Solarglasproduktion aufzubauen. Der Standort sei ideal.
«Ich habe selten so ein gut geführtes, sauberes Glaswerk gesehen, wie
das von Samsung Corning in Tschernitz» , sagt Frei und betont: «Wir
werden diesen Spirit weiterführen und sicherstellen, dass durchgehend auf
höchsten Niveau produziert wird.» Interfloat könne dabei auf gut
ausgebildete Fachleute bauen. «In der ersten Phase werden wir 140
Mitarbeiter beschäftigen. Sollte sich der Markt entsprechend entwickeln,
werden wir unsere Kapazitäten verdoppeln und mindestens 250 Leute beschäftigen.»
Derzeit
arbeiten 78 ehemalige Samsung-Glaswerker bei der GMB in Tschernitz. Sie
bereiten den Produktionsstart vor, sagt GMB-Geschäftsführer, Volker
Henzel.
Vorrang für Samsung-Werker
Henzel, der am 6. Juli 2007 als damaliger Vizepräsident der Samsung
Corning Deutschland GmbH (SCD) die Schließung des Werkes mit zuletzt 350
Beschäftigten verkünden musste, verweist auf eine Vereinbarung mit der
ZAB und den Investoren, wonach das GMB-Team aus ehemaligen SCD-Beschäftigten
gebildet werden soll. Sie werden pro Tag 300 Tonnen Flachglas produzieren.
Tendenz steigend. «Wir rechnen mit einer stark anziehenden Nachfrage in
Europa» , berichtet Frei, der nach eigenen Angaben auf 20 Jahre Erfahrung
in der Forschung und Entwicklung im Bereich Solartechnik zurückblicken
kann und an der Hochschule für Technik in Rapperswil (Schweiz) das
international anerkannte Institut für Solartechnik aufgebaut und bis 2003
geleitet hat. Einer seiner Hauptauftraggeber in der Forschung sei Josef
Weikinger, Inhaber der Interfloat Corporation, gewesen, erzählt Frei.
Weikinger selbst ist seit 1965 in der Glasbranche tätig, hat, wie er
berichtet, auch manchen Glasbetrieb der ehemaligen DDR kennen gelernt, war
in den 80er-Jahren der erste, der Flachglas für die Solarindustrie nach
Europa gebracht und in Österreich Solarmodule produziert hat.
In
die Modulproduktion will Interfloat nicht einsteigen, betonen Weikinger
und Frei. Sie wollen nur Glas zuliefern an Modulhersteller. Dazu gehören
in Deutschland beispielsweise Conergy in Frankfurt (Oder) oder Solarworld
im sächsischen Freiberg. «Unsere Kunden sind ausschließlich Hersteller
kristalliner Siliziummodule.»
Und
wie will ein Unternehmen mit zehn Beschäftigten das alles finanzieren? «Die
Anzahl der Beschäftigten ist wohl nicht das Entscheidende» , sagt
Weikinger. Die Interfloat Corporation finanziere sich seit 17 Jahren aus
Eigenkapital. «Das hat sich jetzt geändert.» Für die Großinvestition
in Brandenburg seien auch Bankenkredite nötig und bewilligt.
Bewilligt
sind zudem Fördermittel und Investitionszuschuss. 40 Prozent der förderungsfähigen
Kosten werden vom Land Brandenburg und dem Bund gemeinsam getragen, wie
ZAB-Geschäftsführer Schulze informiert.
Quelle:
Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 01.04.2008
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Für
eine neue Glaszukunft in Tschernitz gemeinsam aktiv (v.l.): Josef
Weikinger, Inhaber der Interfloat Corporation, und Interfloat-Geschäftsführer
Ulrich Frei.
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